Eine vorbeugende Spritze könnte in Zukunft helfen, Gastritis, Magengeschwüre und sogar Magenkrebs zu verhindern, hofft ein Forscherteam. Ein Impfung gegen Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori würde mindestens der Hälfte der Weltbevölkerung nützen: Der Magenkeim, auf dessen Konto nahezu alle Magengeschwüre gehen sollen, ist weit verbreitet.
In den meisten Fällen, ganz besonders bei Menschen in den Entwicklungsländern, setzt sich der Erreger schon in der frühen Kindheit in den Schleimhäuten fest, verursacht oft lebenslange Magenbeschwerden wie Entzündungen und Geschwüre und wird mit dem oft tödlichen Magenkrebs in Verbindung gebracht.
Doch jetzt sind die Wissenschaftler aus Schweden, Estland, Frankreich und den USA dem Bakterium auf die Schliche gekommen. Im Fachmagazin "Science" beschreibt die Gruppe um Thomas Borén von der schwedischen Universität Umeå die Angriffsstrategie der Mikrobe. Demnach macht sich Helicobacter pylori ausgerechnet einen Abwehrmechanismus der Magenschleimhautzellen zunutze. Dadurch gedeiht der Erreger umso besser, je mehr der Körper des Patienten ihn abzuschütteln versucht.
Wie die Forscher berichten, produzieren die Zellen der entzündeten Schleimhaut als Reaktion auf die Bakterieninvasion ein Zuckermolekül namens sLex ("sialyl-di-Lewis x") auf ihrer Oberfläche, mit dem sie Immunzellen zu Hilfe rufen. Doch stattdessen heften sich die Erreger an die Zuckermoleküle und dringen mit deren Hilfe sogar weiter in die Magenschleimhaut ein, wo es noch mehr Nährstoffe gibt.
Das Team um Borén entdeckte, dass Helicobacter pylori ein Protein herstellt, das wie ein Klebstoff wirkt und die Verbindung zu dem Zuckermolekül erlaubt. Von den Forschern entwickelte Bakterien, denen dieses SabA ("sialic-acid binding adhesin") getaufte Eiweiß fehlte, konnten sich nicht mehr an entzündetes Magengewebe heften.
In früheren Studien hatten Borén und Kollegen bereits ein Klebstoff-Protein gefunden, mit dem sich Helicobacter pylori an andere, auf gesunden Zellen vorkommende Zuckermoleküle bindet. Mit der Kenntnis beider Mechanismen - denn durch die Blockade nur eines Eiweißes wirkt noch immer das andere - könnte, so glauben die Wissenschaftler, ein Impfstoff gegen die gefährlichen Mageninfektionen entwickelt werden.
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