Modell eines für BSE verantwortlichen Prions: Von Antibiotika geschwächt
Forscher in Italien und Schottland sind auf eine mögliche Waffe gegen Prionenkrankheiten gestoßen: Wie das Team in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichtet, kann ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline die falsch gefalteten Eiweißfäden schwächen, die für Hirnleiden wie den Rinderwahn BSE oder die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) verantwortlich sind.
Die Forscher um Fabrizio Tagliavini von der Università degli Studi in Mailand hatten ein Tetracyclin im Labor auf BSE- und vCJK-infiziertes Gewebe einwirken lassen. Einige Prionen wurden dadurch so wehrlos, dass sie von Enzymen verdaut werden konnten, so die Forscher. Die Zahl der anfälligen Eiweißstoffe stieg abhängig von der Tetracyclin-Dosis.
Normalerweise sind die bösartigen Moleküle, die im Gehirn immer mehr normale Prionen umwandeln und so zu einer langsamen Zerstörung des Organs führen, unempfindlich gegen Enzyme. Um herauszufinden, ob das Antibiotikum tatsächlich die Infektiosität der Eiweißfäden mindert, überprüften Tagliavini und seine Kollegen seine Wirkung auf lebende Hamster.
Wie sich zeigte, blieben die Tiere gesünder und lebten länger, wenn ihnen statt unbehandelte Prionen solche gespritzt wurden, die zuvor mit Antibiotika behandelt worden waren. Die Forscher hoffen deshalb, dass Tetracycline eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Prionenkrankheiten spielen könnten - nicht zuletzt deshalb, weil das Medikament die so genannte Blut-Gehirn-Schranke durchdringen kann.
Ein Team um Hans Kretzschmar von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hatte erst vor wenigen Tagen im Fachblatt "Lancet" über erfolgreiche Tierversuche berichtet, bei denen künstliche Gen-Schnipsel gegen Prionenkrankheiten eingesetzt wurden. Die so genannten CpG Oligodeoxynucleotide stimulierten das Immunsystem von Mäusen und schützten bei einer wiederholten Gabe lange Zeit vor den Erregern.
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