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01.09.2002
 

Seltsames Schwimmverhalten

Spermien erinnern sich an ihren Weg

Menschliche Samenzellen besitzen einer neuen Studie zufolge ein primitives Gedächtnis. An Weggabelungen, so fand ein Schweizer Forscher heraus, biegen die Spermien nicht rein zufällig ab.

Spermien: Herdenverhalten durch Kommunikation?
[M]

Spermien: Herdenverhalten durch Kommunikation?

In einem einfachen Labyrinth können sich menschliche Spermien offenbar an die Richtung erinnern, in die sie zuletzt abgebogen sind. Wie der Neurobiologe Peter Brugger von der Universität Zürich herausgefunden hat, bevorzugen die Samenzellen bei der nächsten Kreuzung eher den entgegengesetzten Weg.

Das Abbiegeverhalten der Zellen untersuchte der Wissenschaftler mit verschiedenen Tunnelkonstruktionen, durch die er 714 gesunde Spermien schickte. Bei einer einfachen T-förmigen Weggabelung bog wie erwartet die eine Hälfte links ab und die andere rechts.

Wurden die Samenzellen jedoch vor Erreichen der Kreuzung durch eine Rechtskurve geleitet, wählten deutlich mehr - nämlich 58 Prozent - die linke Abzweigung. Die frühere Richtungsänderung war offenbar in irgendeiner Form abgespeichert worden, so dass sie die Wahl des nächsten Weges beeinflussen konnte.

"Es ist natürlich keine kognitive Erinnerung", sagte Brugger dem britischen Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Eine Erklärung könne eine durchs Abbiegen entstandene Asymmetrie der Zelle sein, die beim nächsten Schwung in die Gegenrichtung wieder ausgeglichen werde. Ebenfalls denkbar sei eine Art Herdenverhalten durch Kommunikation der Spermien.

Möglicherweise wären in einem kleineren Labyrinth noch mehr Samenzellen links abgebogen, spekuliert Brugger, dessen Ergebnisse im Fachjournal "Behavioural Brain Research" erscheinen sollen. Denn von der erzwungenen Rechtskurve bis zur Kreuzung mussten die Spermien das Zehnfache ihrer eigenen Länge zurücklegen - womöglich war die "Erinnerung" bei vielen bereits verblasst.

Im Körper folgen die Samenzellen einem chemischen Pfad zur Eizelle. "Sie könnten aber die Wahl haben, welchen Weg sie einschlagen, wenn sie schon sehr nahe an der Eizelle sind", sagte der Biologe Harry Moore von der University of Sheffield der Zeitschrift. Mit einem Test des Wechselverhaltens könnte künftig womöglich auch die Gesundheit von Spermien vor der künstlichen Befruchtung überprüft werden.

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