Mehr als die Hälfte aller Krebskranken ist 15 bis 20 Jahre nach der Diagnose noch am Leben. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Mediziner Hermann Brenner vom Deutschen Zentrum für Alternsforschung in Heidelberg in der aktuellen Ausgabe des britischen Fachjournals "The Lancet" veröffentlicht. Bislang waren Ärzte oft von einer durchschnittlichen Überlebensrate aller Krebsarten von nur etwa 40 Prozent ausgegangen.
Für seine Analyse benutzte Brenner eine umfangreiche Erhebung des US-amerikanischen National Cancer Institute. Die Daten stammen von 24 Millionen Menschen und umfassen einen Zeitraum von 1973 bis 1998. Dieses Material wertete der Heidelberger Forscher mit einem mathematischen Verfahren aus, das im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden eine aktuellere Einschätzung der Überlebenschancen ermöglicht.
Für Menschen mit Hoden- oder Schilddrüsenkrebs ergaben die Berechnungen eine fast 90prozentige Überlebenschance für die ersten 20 Jahre nach der Diagnose. Bei Haut- und Prostatakrebs liegt diese Rate bei mehr als 80 Prozent, bei Blasenkrebs nahe 70 Prozent. Die Diagnose Brustkrebs überleben 65 Prozent der Patienten mindestens 20 Jahre. Bei Gebärmutterhalskrebs sind es 60 Prozent, bei Dickdarm-, Eierstock- und Nierenkrebs rund 50 Prozent.
Die auf herkömmliche Weise bestimmten Überlebensraten fallen Brenner zufolge deshalb niedriger aus, weil sie die medizinischen Fortschritte der letzten Jahre nicht berücksichtigen. Bei vielen Krebsarten hätte sich entweder die Früherkennung oder die Behandlung verbessert, bei einigen auch beides. Die neu errechneten Überlebensraten könnten, so hofft der Forscher, Betroffenen helfen, sich von der Diagnose nicht vorschnell entmutigen zu lassen.
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