• Drucken
  • Senden
  • Feedback
05.11.2002
 

Gefährliche Mikrobe

Magenfresser befiel schon Ur-Amerikaner

Das Bakterium, das einen Großteil aller Magengeschwüre verursacht, ist schon lange ein Begleiter des Menschen: Seine ersten Opfer fand es, so eine neue Studie, vor Tausenden von Jahren.

Helicobacter-Bakterien, einzelne Mikrobe (l.): Eroberung Amerikas von Osten aus
Zur Großansicht
AP

Helicobacter-Bakterien, einzelne Mikrobe (l.): Eroberung Amerikas von Osten aus

Das Bakterium Helicobacter pylori, das sich in der Magenschleimhaut einnistet, wird für Geschwüre und Krebserkrankungen des Organs verantwortlich gemacht. Entdeckt wurde der Magenfresser erst vor 20 Jahren, doch er sucht den Menschen schon seit mindestens 11.000 Jahren heim, wie Forscher aus den USA, Venezuela und Argentinien in einer Online-Veröffentlichung der "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten.

Das Team um Martin Blaser von der New York University School of Medicine konzentrierte sich bei seiner Arbeit auf die Frage, wann der Keim die Neue Welt erreichte. Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die ersten Europäer Helicobacter pylori nach Südamerika einschleppten. Blaser und Kollegen konnten jedoch demonstrieren, dass die Mikrobe den Kontinent schon viel früher mit den ostasiatischen Vorfahren der Ureinwohner eroberte.

Das Team hatte für seine Studie Helicobacter-Proben untersucht, die zwei Gruppen venezolanischer Magenpatienten entnommen worden waren. Eine Gruppe bildeten Indios, die völlig isoliert von anderen Völkern im Amazonasgebiet leben, die andere bestand aus Venezolanern europäischer, afrikanischer und indianischer Abstammung.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass manche Genvariationen im Erbgut des Bakteriums nur in ganz bestimmten Völkergruppen auftreten. So kommen etwa bestimmte Veränderungen des so genannten vacA-Gens nur in ostasiatischen Ländern wie China, Korea und Japan vor. Selbst wenn die dortigen Einwohner in andere Länder auswandern, weisen die Magenmikroben ihrer Kinder und Enkel noch die typischen Genvariationen auf.

Die Forscher um Blaser wiesen diese ostasiatischen Mikroben-Merkmale auch in den Proben nach, die südamerikanischen Indios entnommen worden waren. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass die Bakterien bereits mit der frühen Besiedlung von Osten auf den Kontinent kamen. Weil dieses Ereignis aber vor mindestens 11.000 Jahren stattfand, muss Helicobacter pylori wenigstens ebenso lange sein Unwesen in Menschenmägen treiben.

Unklar ist bislang, wie sich das Bakterium derart lange in seinen Wirten behaupten konnte. Blaser vermutet, dass es im Gegensatz zu erst in jüngerer Zeit aufgetauchten Krankheitserregern auch einige nützliche Eigenheiten haben könnte - andernfalls wäre es wahrscheinlich im Laufe der Jahrtausende wieder aus dem menschlichen Körper verbannt worden.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch

© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP