Bonn/Paris/Rom - Mit Unglauben und Abscheu hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) auf Meldungen von der angeblichen Geburt des weltweit ersten Klonbabys reagiert. "Wir glauben es eigentlich noch nicht", sagte DFG-Sprecherin Eva-Maria Streier am Freitag. Sollte das Klonen eines Menschen jedoch wirklich gelungen sein, sei dies "wissenschaftlich und moralisch völlig unverantwortlich".
Streier betonte, die Erfahrungen mit dem Klonschaf "Dolly" hätten gezeigt, dass die Technik des Klonens noch nicht entsprechend entwickelt sei. Man müsse damit rechnen, "dass es eine Menge behinderter Kinder gibt".
Zudem sei der Aufwand enorm: So hätten nach aktuellem Stand der Forschung rund 300 bis 400 Frauen Ei-Spenden abgeben müssen, damit zumindest für ein Ei die Chance bestünde, sich einnisten zu können. Neben wissenschaftlichen Einwänden lehne die DFG das Klonen von Menschen jedoch in erster Linie aus moralischen Gründen ab, betonte Streier.
Die DFG forderte erneut ein internationales Klonverbot für Menschen. Dies sei zwar erst kürzlich auf Grund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Großbritannien gescheitert, sagte Streier. Möglicherweise könnte der aktuelle Fall nun jedoch als Anstoß dienen, zumindest das "reproduktive Klonen" weltweit zu verbieten, betonte Streier.
Der französische Biophysiker Henri Atlan hält Berichte über die Geburt eines angeblichen Klonbabys für einen "Bluff". "Wäre es kein Bluff, wären wir schlicht mit einer kriminellen Aktivität konfrontiert", sagte Atlan, der früher Mitglied des französischen Ethikrates war, der französischen Tageszeitung "Le Monde".
Beim gegenwärtigen Stand der Klonforschung bei Tieren sei die Technik der Zellkern-Übertragung ein "Überschreiten aller Gesetze über Menschenversuche". Diese noch unvollkommene Technik würde bei den betroffenen Frauen zu "zahlreichen Abtreibungen und Anomalien bei den Föten" führen. "Kein Ethikrat der Welt würde unter diesen Bedingungen den Schritt vom Tierexperiment zum Menschenexperiment genehmigen", sagte Atlan.
Antinori: Boisselier bat mich, ihr zu erklären, was Klonen ist
Der italienische Gynäkologe Severino Antinori hat sich skeptisch zu Berichten über die Geburt eines angeblichen Klonbabys geäußert. Entsprechende Behauptungen der amerikanischen Raelianer-Sekte seien wissenschaftlich nicht glaubwürdig. "Das schafft lediglich (wissenschaftliche) Verwirrung", sagte der umstrittene Reproduktionsmediziner am Freitag in Rom, der selbst mit Klonprojekten in Verbindung gebracht wird.
Antinori erzählte, er sei im vergangenen Jahr bei einer Medizinerkonferenz mit der wissenschaftlichen Direktorin der Sekte, Brigitte Boisselier, zusammengetroffen. "Dabei hat sie mich gebeten, ihr zu erklären, was Klonen ist", sagte Antinori der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Sie habe auch gesagt, bei Ankündigungen über menschliches Klonen handele es sich lediglich um publikumswirksame Medienereignisse.
Die religiösen Ideen der Sekte, wonach die Menschheit von außerirdischen Wesen erschaffen wurde, lehnte Antinori als bizarr ab. "Das ist eine Idee, die über mein wissenschaftliches Denken hinaus geht." Antinori ging jedoch nicht auf seine eigenen Klon-Aktivitäten ein. "Wir befinden uns nicht in einem Wettlauf", sagte er.
Antinori hatte unlängst angedeutet, an einem Klon-Projekt im Ausland beteiligt zu sein. Das Kind, ein Junge, solle im Januar zur Welt kommen. Um das Projekt zu schützen, wollte er nicht sagen, wo das Kind geboren werden soll und wer an dem Klonversuch beteiligt ist. Auch er wird wegen des Menschenversuchs äußerst scharf kritisiert.
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