Nach 15 Jahren Arbeit ist die Kartierung des menschlichen Genoms praktisch beendet, berichten Forscher des öffentlich finanzierten Humangenomprojekts. In den Datenbanken der Wissenschaftler sei bereits die endgültige Version der Erbgutsequenz gespeichert, erklärte Helmut Blöcker, der Koordinator des Deutschen Humangenomprojekts, am Donnerstag in Braunschweig.
Die Publikation der Ergebnisse im britischen Fachblatt "Nature" ist für Ende des Jahres geplant. Bereits am kommenden Montag, dem 14. April, sollen die Daten offiziell in Washington vorgestellt werden, so Blöcker. In einer gemeinsamen Stellungnahme wollen die Regierungschefs der beteiligten Länder USA, China, Deutschland, Japan, Großbritannien und Frankreich die Sequenzierung des rund drei Milliarden Bausteine umfassenden Erbguts würdigen.
Wie die Forscher des Humangenomprojekts wollen auch die Regierungschefs betonen, dass die Sequenz kostenlos und für jedermann im Internet frei zur Verfügung steht. Bei der Entschlüsselung hatten sich die öffentlich geförderten Wissenschaftler einen Wettlauf mit der US-Firma "Celera Genomics" des Genforschers Craig Venter geliefert. Im Februar 2001 hatte Venters Team eine Arbeitsversion des menschlichen Bauplans im US-Fachmagazin "Science" veröffentlicht, die Version des Humangenomprojekts erschien parallel im britischen Fachblatt "Nature".
Danach waren jedoch immer noch Nachbesserungen nötig. Doch jetzt wollen die Forscher ihre Möglichkeiten ausgereizt haben: "Nach dem heutigen Stand der Technik sind wir fertig", so Blöcker, der die Endfassung der Erbgutkarte als einen "weiteren wichtigen Meilenstein in der Genomforschung" bezeichnet. Seit der Veröffentlichung der ersten Arbeitsversion seien die Daten "drastisch verbessert" worden, ergänzte der Wissenschaftler von der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig.
"Wir haben Wort gehalten und die Steuergelder so eingesetzt, dass wir die Sequenz sogar zwei Jahre früher als vorgesehen abgeschlossen haben", sagte Blöcker. In den vergangenen Monaten hätten die beteiligten Sequenzierungslabors die bereits gesammelten Daten vornehmlich "geputzt" und vervollständigt. "Wir haben jetzt eine sehr gute Datenbasis, mit der unsere Interpretationen verlässlicher werden", so das Urteil des Erbgut-Experten.
Wenige Zehntelprozent des Genoms - wie viel genau, ist schwer zu beziffern - bleiben jedoch vorerst unentschlüsselt. Auf den 46 Chromosomen des Menschen gibt es einige Bereiche, besonders die so genannten Zentromere an ihrer Einschnürung und die Telomere an ihren Enden, die sich mit herkömmlicher Technik nicht zuverlässig entziffern lassen. Die weißen Flecken auf der Erbgutkarte sollen erkundet werden, sobald die Möglichkeit dazu besteht. Laut Blöcker liegen in diesen Abschnitten jedoch nur wenige Gene.
Der Abschluss der Sequenzierung des menschlichen Genoms fällt ins 50. Jubiläumsjahr der Entdeckung des Erbmoleküls Desoxyribonukleinsäure, kurz DNS genannt. Am 2. April 1953 hatten James Watson und Francis Crick die entscheidende Beschreibung der Doppelhelix-Struktur veröffentlicht - auch diese Publikation erschien im britischen Fachmagazin "Nature".
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