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05.06.2003
 

Sars-Forschung

China und Deutschland kooperieren

Von Andreas Lorenz, Peking

Chinesische und deutsche Forscher haben auf einer Konferenz in Peking beschlossen, den gefährlichen Sars-Erreger gemeinsam zu bekämpfen. Für die deutschen Experten brachte das Treffen auch neue Erkenntnisse.

China und Deutschland wollen künftig bei der Bekämpfung von Sars zusammenarbeiten, so das Ergebnis des "Chinesisch-Deutschen Symposiums zur Sars-Forschung", das am Mittwoch in Peking zu Ende ging. Institute beider Länder wollen fortan "auf gleicher Augenhöhe" über die Lungenkrankheit forschen, erklärte der deutsche Delegationsleiter, der Marburger Professor Hans-Dieter Klenk, vor Journalisten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wird das Vorhaben finanzieren.

Vom Sars-Virus infizierte Zellen: Aggressive Zerstörung
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DPA

Vom Sars-Virus infizierte Zellen: Aggressive Zerstörung

Für die Deutschen ist vor allem das umfangreiche medizinische Material der Chinesen interessant, zu dem Gewebeproben verstorbener Sars-Patienten zählen. Die Chinesen hoffen ihrerseits, von den reichen Erfahrungen der Deutschen bei der Erforschung der Coronaviren zu profitieren - ein Mitglied dieser Gruppe gilt als Auslöser der Krankheit. Bevor sich diese Viren in diesem Jahr zu einer ernsthaften Bedrohung entwickelten, hatten sich deutsche Wissenschaftler bereits lange mit ihnen beschäftigt, obwohl sie bisher nur leichte Krankheiten auslöste.

Das Reich der Mitte ist mit weit über 5000 Erkrankungen und 334 Todesfällen vom "Schweren Akuten Respiratorischen Syndrom" weltweit am schwersten getroffen. Glücklicherweise tendierte die Zahl der neu infizierten Patienten in den letzten Tagen gegen Null.

Es sei aber noch zu früh, Entwarnung zu geben, erklärte Henk Bekedam, der Repräsentant der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in China, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Peking: "Es braucht nur eine Fehldiagnose, und wir haben einen neuen Ausbruch."

China benötige für die Zukunft ein stärkeres Überwachungs- und ein besseres Gesundheitssystem, forderte Bekedam. "Große Sorge" bereiteten der WHO Berichte, nach denen Sars-Kranke oder Sars-Verdächtige von den Hospitälern zur Kasse gebeten würden. Zwar hat die Regierung öffentlich versprochen, Patienten gratis zu behandeln. Doch es werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Patienten hohe Rechnungen erhalten. Manche Sars-Verdächtige haben in den vergangenen Wochen deshalb das Weite gesucht oder erst gar nicht medizinische Hilfe in Anspruch genommen.

Die WHO-Vertreter zeigten sich generell zufrieden über die Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden. Im Gegensatz zu früher könne man nicht mehr von "systematischer Unterschlagung von Daten" sprechen. Doch insgesamt sei der "Informationsfluss" nach wie vor "langsamer als in anderen Ländern", erklärte WHO-Mediziner Daniel Chin.

Ein Rätsel geben nach wie vor Patienten auf, die keine nachweisbaren Verbindung zu anderen Sars-Kranken hatten. Wie sie sich angesteckt haben, ist unklar. Rund 70 Prozent der Fälle fielen im vergangenen Monat in Peking in diese Kategorie. Unklar ist auch noch, ob Kranke mit geringen oder gar keinen Symptomen Mitmenschen anstecken können.

Zibetkatze: "Heiße Spur"
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AP

Zibetkatze: "Heiße Spur"

Auf dem Treffen der deutschen und chinesischen Experten im Peking-Hotel wurde diese Frage von chinesischen Wissenschaftlern allerdings verneint. Nach ihren Erkenntnissen können nur Sars-Kranke, die bereits ernste Symptome wie Fieber und Husten zeigen, die Krankheit verbreiten.

Die deutsch-chinesische Konferenz brachte auch neue Erkenntnisse, wie sich das Virus im Körper ausbreitet. Überraschend für die angereisten deutschen Experten war zum Beispiel, so berichtete Frank Hufert von der Universität Freiburg, wie aggressiv der Erreger lymphatisches Gewebe zerstört, das wichtiger Teil des menschlichen Immunsystems ist. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium verhärtet sich die Lunge in "ausgeprägter Form", erklärte Hufert.

Keine Klarheit dagegen brachte die Konferenz in der Frage, wie das Coronavirus zu einer so ernsten Bedrohung werden konnte. Die jüngste Vermutung, dass es von der exotischen Zibetkatze auf Menschen übergesprungen sein könnte, sei zwar eine "heiße Spur", erklärte Lenk. Es sei aber nicht auszuschließen, dass auch die Katze sich den Erreger irgendwo eingefangen hat.

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