So genannten "crime maps" erlauben US-Polizisten schon heute, die Häufigkeit und Art von Verbrechen in verschiedenen Stadtgebieten abzulesen. Das neue Computersystem erweitert diese Arbeitsweise, indem es auf eine Datenbank von sechs Millionen Verbrechen zurückgreift, die in den vergangenen zehn Jahren in Pittsburgh (Pennsylvania) und Rochester (New York) registriert wurden.
Wie das Fachmagazin "New Scientist" berichtet, analysierte ein Forscherteam der Carnegie Mellon University in Pittsburgh die Verbrechensdaten auf zwei Arten. Zunächst werteten die Wissenschaftler statistisch die übergreifenden Trends aus und waren so erstmals in der Lage, die langjährigen Erfahrungswerte der Polizei mit präzisen Zahlen zu unterfüttern.
Suche nach subtilen Trends
In einem zweiten Schritt suchte Teamleiter Wilpen Gorr dem Bericht zufolge nach subtileren, unerwarteten Tendenzen. Er erstellte eine Liste kleinerer Straftaten wie Vandalismus und unbefugtes Betreten, die oft Vorboten ernsthafterer Vergehen sind. Dann benutzte der Experte ein neuronales Computernetzwerk, um Veränderungen in diesen Mustern mit einem Anstieg schwererer Straftaten in Verbindung zu bringen.
Gorr fand dabei heraus, dass in Gebieten mit einer steigenden Zahl kleinerer Eigentumsdelikte in naher Zukunft mehr Einbrüche zu erwarten seien. Bei der Anwendung auf die Wirklichkeit erwies sich das Computermodell laut "New Scientist" als erfolgreich. Beim Abgleich mit den Daten aus einem Dreijahres-Zeitraum in Pittsburgh habe das System die Verbrechensraten mit 80- bis 90-prozentiger Genauigkeit vorhergesagt, und das für Gebiete von weniger als drei Quadratkilometern Größe.
Einsatz innerhalb eines Jahres
Die letzten Versuche mit dem Computersystem sollen dem Bericht zufolge Ende dieses Monats stattfinden. Anschließend würden die Forscher eine endgültige Version fertig stellen, die innerhalb eines Jahres in den Polizeirevieren zum Einsatz kommen könne.
Verbrechensvorhersagen nach dem Vorbild der Wetterberichte in den Abendnachrichten werde es allerdings nicht geben, sagte Don Brown, Kriminologe an der University of Virginia, dem "New Scientist". Mit ihrer Bekanntgabe, erklärte der Forscher, würde die Zuverlässigkeit der Vorhersagen zerstört werden: "Wenn Menschen die Ergebnisse durch ihr Verhalten ändern können, werden sie es tun."
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