Den Coffieshops wollen die niederländischen Apotheker mit dem neuen Arzneimittel keine Konkurrenz machen. Während die Regierung in den weit verbreiteten Kiffer-Cafés nach wie vor den Verkauf von Haschisch toleriert, kann der Hausarzt keinen Joint verschreiben.
Vor allem Krebs- und Aidspatienten, denen keine anderen Schmerzmittel helfen, können Cannabis aber künftig inhalieren oder in Heiltee auflösen. In der Apotheke gibt es das rezeptpflichtige Mittel fortan in Form von getrockneten Marihuanablüten. Vom Haschischrauchen dagegen rät das Haager Gesundheitsministerium ab: Die Nebenwirkungen der Verbrennung seien zu gefährlich.
In Deutschland werden Apotheken zwar mit dem Wirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannbinol (THC) beliefert. Unter dem Namen Dronabinol können Ärzte diesen Cannabis-Bestandteil auf ein spezielles Betäubungsmittelrezept setzen. Doch Cannabis besteht aus vielen weiteren Substanzen. Viele Wissenschaftler schreiben gerade der Mischung aller Wirkstoffe eine schmerzlindernde Wirkung zu. In Großbritannien und Australien haben kürzlich Großversuche begonnen, bei denen die Droge Cannabis als Arzneimittel in bestimmten Kliniken erlaubt wurde.
Lizenz zum Cannabis-Anbau
Die holländischen Ärzte dürfen das Medikament ab heute verschreiben, um bei Krebs- und Aidskranken chronische Schmerzen sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit zu lindern. Patienten mit Multipler Sklerose kann Cannabis überdies helfen, ihre Krämpfe zu mildern.
Viele Patienten holten sich den Stoff bislang im Koffieshop
Fünf Gramm des medizinischen Marihuanas kosten knapp 50 Euro - Hollands Krankenkassen beraten noch, ob sie die Kosten erstatten. Die niederländische Regierung schätzt, dass sich schon bisher etwa 7000 Holländer aus medizinischen Gründen in Coffe Shops mit Cannabis versorgt haben. Mit dem nun unter Laborbedingungen hergestellten Medikament steigt ihre Hoffnung auf nachhaltige Schmerzlinderung.
Von Andreas Ross
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