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01.10.2003
 

Risiko für Kinder

Antibiotika fördern Asthma und Allergien

Die oft vorschnelle Behandlung von Infektionskrankheiten mit Antibiotika hat einen weiteren, bisher unbekannten Nachteil. Einer US-Studie zufolge leiden Schulkinder wesentlich öfter an Allergien und Asthma, wenn sie als Säugling mit Antibiotika behandelt wurden.

Säugling: Frühe Behandlung mit Antibiotika birgt Risiken
DPA

Säugling: Frühe Behandlung mit Antibiotika birgt Risiken

Nach langjährigen Untersuchungen an hunderten von Kindern kam Christine Cole Johnson vom Henry Ford Hospital in Detroit zu einem eindeutigen Ergebnis. Die Medizinerin beobachtete 448 Kinder von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr - und stellte fest, dass Kinder, die in den ersten sechs Monaten ihres Lebens Antibiotika schlucken mussten, im Schulalter anderthalb mal öfter an Allergien und zweieinhalb Mal öfter an Asthma erkrankten als der Durschschnitt. Für den negativen Effekt reichte schon eine einmalige Antibiotika-Behandlung aus, sagte die Forscherin bei der Jahreskonferenz der Europäischen Gesellschaft für Erkrankungen der Atemwege in Wien.

Ihr Team nimmt an, dass Antibiotika in den ersten Lebensmonaten stärker als bisher bekannt auf den Magen- und Darmtrakt wirken und das Immunsystem der Kleinkinder nachhaltig verändern können. Das Allergie- und Asthmarisiko werde lediglich durch Haustiere abgeschwächt. Allerdings müsse das Kind dazu im ersten Lebensjahr mit mindestens zwei Haustieren unter einem Dach gelebt haben.

"Ich plädiere nicht dafür, Babys generell keine Antibiotika zu verordnen", erklärte Johnson. "Ich warne nur, vorsichtiger mit Antibiotika in so jungen Jahren umzugehen. In der Vergangenheit sind Antibiotika oft ohne zwingenden Grund verschrieben worden."

Mit dieser Einschätzung steht die Medizinerin nicht allein. Den freizügigen Umgang mit Antibiotika, die nicht selten gegen harmlose Erkrankungen eingesetzt werden, halten zahlreiche Wissenschaftler für unverhältnismäßig. Schon im Juni 2000 kam eine Arbeitsgruppe der Bundesregierung zu dem Ergebnis, dass Antibiotika-Resistenzen deutlich zugenommen haben und in ihren Folgen nicht absehbar sind. Die Rede war insbesondere von Erregern von Lungenentzündung und Tuberkulose.

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