Als die englische Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 1990 gegen Deutschland ausschied, rutschte der Aktienmarkt in London um einen Prozentpunkt ab. Kein Zufall, glauben britische Wissenschaftler. Sie fanden heraus, dass das Auf und Ab an der Börse die Resultate von David Beckham und Co. widerspiegelt.
Ein Team um Bill Gerrard von der University Business School in Leeds untersuchte den Einfluss von Sportereignissen auf das Börsengeschehen. Die Ökonomen verglichen die Fußballspiele der englischen Nationalmannschaft aus den vergangenen 20 Jahren, insgesamt 210 Partien, mit den Aktienwerten der 100 größten englischen Firmen am Tag danach.
Wie die Forscher im Fachmagazin "Applied Economics Letters" schreiben, stiegen die Aktienwerte nach englischen Erfolgen signifikant an. Rutschten die Börsenkurse ab, hatten die Kicker von der Insel zuvor eine Schlappe kassiert. Bei einem Unentschieden reagierten auch die Börsianer eher unentschieden: Die Kurse dümpelten orientierungslos dahin.
Das Geld sitzt locker, solange England siegt
Je wichtiger das Spiel, desto größer war der Effekt auf die Kursschwankungen: Der Markt reagierte der Studie zufolge auf Begegnungen bei Welt- und Europameisterschaften heftiger als auf Freundschaftsspiele. Im Durchschnitt stieg der Aktienwert nach einem Sieg um 0,3 Prozent und sank nach einer Niederlage um 0,4 Prozent. Der Niederlage gegen Deutschland im WM-Halbfinale von 1990 - England schied im Elfmeterschießen aus - folgte ein Absturz des Aktienmarktes um einen Prozentpunkt.
Laut Gerrard sitzt das Geld den Leuten lockerer in der Tasche, solange das eigene Nationalteam bei einem großen Turnier noch im Rennen ist. Zumindest einen Teil des Zusammenhanges, den die Studie zeige, könne man so erklären, schreiben die Wissenschaftler. Gewinne das englische Team, gäben die Fans mehr für Getränke, Essen, Fußball-Devotionalien und Eintrittskarten aus, was einen positiven Effekt auf die Wirtschaft habe.
Vor allem aber beeinflusse ein gutes Fußballergebnis die Stimmung der Börsenmakler: Gut gelaunte Broker neigten eher dazu, auf steigende Aktienkurse zu spekulieren. Dieser psychologische Einfluss auf die Börse sei vermutlich bedeutender als die Mehrausgaben der Schlachtenbummler, vermutet Gerrard. Englands Abschneiden im Halbfinale der Rubgy-Weltmeisterschaft am Sonntag dieser Woche könnte seine These untermauern. Es wäre eine große Enttäuschung, wenn England das Turnier nicht gewinnt, glauben die Ökonomen. Ein schlechtes Ergebnis könne die Aktienpreise am Montagmorgen purzeln lassen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mensch | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH