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27.11.2003
 

Freiwillige gesucht

Wer testet den "Orgasmatron"?

Es war nur ein Zufallstreffer, aber er machte Furore: Vor zwei Jahren stimulierte ein Mediziner den falschen Nerv im Rückenmark einer Frau - und hatte den "Orgasmatron" erfunden. Jetzt sucht er Freiwillige, die im klinischen Test Höhepunkte auf Knopfdruck erleben wollen.

Sex: "Orgasmatron" soll Frauen Höhepunkte in Serie schenken
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DPA

Sex: "Orgasmatron" soll Frauen Höhepunkte in Serie schenken

Eigentlich wollte Stuart Meloy seine Patientin nur von ihren chronischen Rückenschmerzen befreien. Die Elektrode aber, die der Mediziner in die Wirbelsäule der Frau einpflanzte, schlüpfte am wunden Punkt vorbei - und traf genau den richtigen Nerv. Mit lautem Stöhnen reagierte die Frau auf die leichten Stromimpulse, nicht aus Schmerz, sondern aus Lust. "Das müssen Sie meinem Mann beibringen", raunte sie dem Arzt zu.

Meloy war nicht der erste Mediziner, der Patienten bei der Elektroden-Behandlung in lustvolle Verzückung geraten sah. Doch er war geschäftstüchtiger als seine Kollegen und meldete ein Patent an. Jetzt, zweieinhalb Jahre später, hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA grünes Licht gegeben: Der Erfinder des "Orgasmatron" kann mit klinischen Tests beginnen.

"Ich dachte, die Leute würden mir die Tür einrennen, um an den Versuchen teilnehmen zu können", sagte Meloy dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Doch weit gefehlt: Trotz intensiver Suche fand er erst eine Freiwillige.

Die sei freilich begeistert gewesen. Vier Jahre lang hatte die verheiratete Frau nach Angaben des Mediziners keinen sexuellen Höhepunkt erlebt. Doch während des neuntägigen Tests taten die Orgasmen das, was Meloys Testpersonen bisher unterließen: Sie kamen zuhauf. "Als das Gerät eingeschaltet wurde, hat es die Frau fast sofort erregt", sagte der Schmerztherapie-Spezialist. "Sie verriet mir sogar, dass sie den ersten multiplen Orgasmus ihres Lebens hatte."

Meloy hofft, insgesamt zehn Frauen für die erste Phase des Versuchs zu finden, bei der kleine Drähte durch die Haut ins Rückenmark geführt werden. In der zweiten Phase soll ein handlicheres Gerät zum Einsatz kommen: Der "Orgasmatron" besteht dann nur noch aus einem Kasten von der Größe eines Herzschrittmachers, der unter die Haut eingepflanzt und per Fernbedienung ausgelöst wird.

Andere Mediziner sind über das schwache Interesse von Freiwilligen weniger erstaunt als Meloy. "Warum sollte man operativ behandeln, was auch ein Vibrator erledigen kann?", sagte Marca Skipski von der University of Miami. Ihre Forschung zeige, dass der Orgasmus eine reine Angelegenheit der Reflexe sei und funktioniere, so lang die entsprechenden Nerven intakt seien und keine psychische Blockade vorliege.

Die Pharmabranche beschlichen ähnliche Zweifel am Nutzen von Meloys Maschine. Das US-Unternehmen Medtronic, vor zwei Jahren noch als "Orgasmatron"-Hersteller im Gespräch, hat inzwischen das Interesse verloren. Offenbar konnte Meloy keinen Ersatz finden und will nun den Alleingang wagen. Billig, so viel steht fest, wird das Vergnügen nicht: Als Preis für ein Lust-Implantat schweben dem Mediziner umgerechnet rund 11.000 Euro vor.

Zwar hat Meloy stets betont, mit dem "Orgasmatron" lediglich die weibliche sexuelle Dysfunktion behandeln zu wollen. Doch der Mediziner weiß, wo das wirklich große Geld zu verdienen ist. Vorsorglich betonte er bereits, dass es für ihn keinen Unterschied gebe zwischen seiner Lustmaschine und anderen kleinen Eingriffen wie etwa einer Brustvergrößerung.

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