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10.12.2003
 

Selbstblockade

Stinkende Beulen bremsten die Syphilis

Dass der Klügere nachgibt, gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Bakterien. Als die Syphilis vor 500 Jahren nach Europa kam, vermieste sie den Betroffenen durch eklige Eiterbeulen den Sex und rottete sich beinahe selbst aus. Heute verläuft die Krankheit viel milder.

Syphilis-Erreger Treponema pallidum: Selbstbehinderung durch zu hohe Aggressivität
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Syphilis-Erreger Treponema pallidum: Selbstbehinderung durch zu hohe Aggressivität

Als die Syphilis Ende des 15. Jahrhunderts erstmalig Europa heimsuchte, war sie äußerst aggressiv. Doch schon wenige Jahrzehnte später hatte die Geschlechtskrankheit einen wesentlich milderen Verlauf angenommen. Diese gemäßigte Form setzte sich vermutlich deshalb so schnell durch, weil sie den Erreger weitaus effektiver verbreiten konnte als die ernstere Variante der Krankheit, schreibt ein britischer Biologe in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society: Biology Letters".

Die ersten Fälle von Syphilis traten in Europa im Jahr 1496 auf. Die Betroffenen litten unter starken Gelenkschmerzen, bekamen hässliche Eiterbeulen und verbreiteten einen widerlichen Gestank - was die Suche nach einem Sexualpartner nicht gerade erleichterte. Zudem war es möglichen Geliebten ein Leichtes, den Zustand ihres Gegenübers zu erkennen und den näheren Kontakt zu meiden.

Somit war diese Variante der Krankheit derart bösartig, dass sie ihre eigene Verbreitung behinderte, erläutert Robert Knell von der University of London. Innerhalb von nur 50 Jahren setzte sich daher eine weit mildere Form der Syphilis durch, die sich effektiver verbreiten konnte.

Syphilis wird durch den Erreger Treponema pallidum hervorgerufen. Es gibt vier verschiedene Theorien, wie die Geschlechtskrankheit Ende des 15. Jahrhunderts nach Europa gelangte. Dem wahrscheinlichsten Ansatz nach wurde die Krankheit 1492 von Kolumbus aus der Neuen Welt eingeschleppt. Denkbar ist auch, dass sie aus Afrika kam, sich aus einer anderen verwandten Krankheit entwickelte oder zuvor stets fehldiagnostiziert worden war.

Die heutige Syphilis tritt in drei Stadien auf. Die so genannte primäre Syphilis ist gekennzeichnet durch ein verhärtetes Geschwür in der Nähe des Infektionsherdes, häufig im Genitalbereich. Dem folgt die sekundäre Syphilis, bei der typischerweise Fieber, Halsschmerzen und Ausschlag auftreten. Nach einer viele Jahre anhaltenden Ruhephase treten bei der tertiären Syphilis mit Nervenschäden und einer Vielzahl an Knoten in allen Körpergeweben die schwerwiegendsten Symptome auf.

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