Wissenschaftler einer amerikanischen Biotech-Firma haben Mäuse genetisch so verändert, dass deren Körper absolut kein Cholesterin enthalten. Die Tiere sind normal lebensfähig, jedoch kleiner als ihre nicht manipulierten Artgenossen. Das Gen-Experiment soll helfen, die Rolle des Cholesterins im Körper genauer aufzuklären.
Cholesterin, auch Cholesterol genannt, ist ein wahrer Alleskönner: Es ist ein wichtiger Bestandteil der zellulären Membranen und bildet auch die Vorstufe für Steroidhormone oder Gallensäuren, die an der Fettverdauung beteiligt sind. Den größten Teil des benötigten Cholesterins stellt der Körper selbst her, ein kleiner Anteil wird jedoch auch mit der Nahrung aufgenommen. Trotz seiner lebenswichtigen Funktionen kann ein Zuviel an Cholesterin fatale Auswirkungen haben, denn es gilt als Hauptursache für Verschlüsse von Blutgefäßen (Arteriosklerose).
Elena Feinstein von der Firma Quark Biotech aus Cleveland und ihre Kollegen aus Schweden und Israel blockierten in den Mäusen ein Enzym, das für den letzten Schritt der Cholesterin-Produktion verantwortlich ist. Das führte dazu, dass Cholesterin im gesamten Körper durch ein anderes, chemisch eng verwandtes Molekül namens Desmosterol ersetzt wurde, berichtet das Wissenschaftlerteam im Zeitschrift "Science".
"Wir waren überrascht, dass die Mäuse trotz des fehlenden Cholesterins überlebten und das Erwachsenenalter erreichten", sagte die Genforscherin Feinstein. Die genetisch veränderten Mäuse zeigten keine größeren Schäden und wuchsen lediglich langsamer als ihre Artgenossen.
Ähnliche Gendefekte, die die Cholesterinproduktion beim Menschen blockieren, sind schon in einem sehr frühen embryonalen Stadium tödlich. Die cholesterinfreien Mäuse überleben dagegen im Mutterleib, weil sie vom Körper ihrer Mütter mit Cholesterin versorgt werden, berichten die Wissenschaftler. Erst nach ihrer Geburt wird das gesamte bis dahin eingebaute Cholesterin durch Desmosterol ersetzt.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mensch | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH