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26.01.2004
 

Angst vor Epidemie

Vogelgrippe-Virus resistent gegen herkömmliche Medikamente

Von Holger Dambeck

Die Behandlung erkrankter Menschen gestaltet sich schwierig, weil das aggressive Virus auf Standard-Medikamente nicht anspricht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, das erst in einem halben Jahr wirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Hühnerfarm in Thailand: Resistent gegen Anti-Viren- Medikamente Amantadine und Rimantadine
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REUTERS

Hühnerfarm in Thailand: Resistent gegen Anti-Viren- Medikamente Amantadine und Rimantadine

Man sei besorgt darüber, dass Ärzte herkömmliche Grippen-Medikamente nicht einsetzen könnten, weil das Vogel-Grippen-Virus offenbar resistent dagegen sei, sagte WHO-Sprecher Dirk Thompson am Sonntag in Genf. Die beiden vergleichsweise billigen Anti-Viren- Medikamente Amantadine und Rimantadine zeigten keinerlei Wirkung.

Der Einsatz wirksamerer Medikamente, wie etwa Neuraminidase, dass unter anderem bei der jüngsten Vogelgrippe-Epidemie in den Niederlanden zum Einsatz kam, dürfte an dessen hohem Preis scheitern. Die von der Vogelgrippe betroffenen Staaten gehören größtenteils zu den Entwicklungsländern, insbesondere Vietnam, Thailand, Indonesien, Pakistan und Kambodscha. Fälle gab es auch in Taiwan, Japan, Südkorea. Insgesamt sind bisher acht Menschen an der Infektion gestorben. Millionen Hühner wurden vorsorglich notgeschlachtet, um die Epidemie in den Griff zu bekommen.

Infizierte in Quarantäne schicken

Wissenschaftler warnen vor allem vor den unberechenbaren Gefahren einer Kreuzung aus Hühnergrippe- und menschlichem Grippe-Virus. Das Virus könnte so auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden, fürchten sie. Dies sei zwar noch nicht passiert, sagte WHO-Sprecher Thompson. Falls dies aber passiere, dann wäre es "ein echtes Problem", so Thompson.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, an der Hühnergrippe Erkrankte sofort in Quarantäne zu nehmen, um den Kontakt mit herkömmlichen, auf den Menschen ausgerichteten Grippeviren zu vermeiden. So könne verhindert werden, dass die beiden Virentypen sich mischen.

Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes gegen die Vogelgrippe wird nach Schätzung der WHO etwa sechs Monate dauern. Peter Cordingley, WHO-Sprecher für Ostasien sagte, erste Chargen eines Medikaments könnten in vier Monaten zur Verfügung stehen. Die Massenproduktion des Impfstoffes für Millionen Menschen könne erst später anlaufen. In Forschungslabors der WHO werde an dem Prototyp-Impfstoff gearbeitet.

Vogelgrippe in den Niederlanden im April 2003: Das Virus ist auch in Europa zu Hause
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REUTERS

Vogelgrippe in den Niederlanden im April 2003: Das Virus ist auch in Europa zu Hause

Cordingley berichtete, dass die Ausbreitung der Vogelgrippe nicht durch einen Impfstoff gestoppt werden könne, der 1997 nach einer Epidemie in Hongkong entwickelt worden war. "Das heutige Virus ist nicht dasselbe, das in Hongkong auftrat. Es hat mutiert, und wir müssen mit dem Design eines Impfstoffes noch einmal ganz von vorn anfangen."

"Touristen passiert nichts"

Der Virologe Herbert Schmitz vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin warnt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE vor allzu großer Panik in Bezug auf die Vogelgrippe. Menschen erkrankten nur sehr selten an dem Virus und wenn, dann nur nach massivem Kontakt mit dem Erreger. So hätten sich vor allem Kinder infiziert, die im Hühnerkot gespielt hätten und Farmer, die die Tiere schlachteten. "Einem Touristen, der in Thailand an den Strand fährt, passiert nichts."

Es habe schon viele Hühnergrippe-Ausbrüche in Europa und Amerika gegeben, ergänzt Schmitz. "Nie sind die Viren massiv auf den Menschen übergegangen." Die meisten Infizierten hätten obendrein nur leichte Symptome gehabt, beispielsweise eine Bindehautentzündung. "Dass sich normale menschliche Grippe-Viren und die Erreger der Vogelgrippe kreuzen - das ist die große Gefahr", warnt der Virologe ebenso wie seine Kollegen von der WHO.

Für Deutschland bestehe gegenwärtig kein Grund zur Sorge, dass die Vogelgrippe auch hier ausbreche, meint Schmitz. Eine gewisse Gefahr sieht er jedoch bei Einschleppung über Zugvögel oder über tief gefrorenes Fleisch infizierter Hühner. "Bei Minus-Temperaturen werden Viren perfekt konserviert und können lange überleben." Wenn ein Bauer infizierte Hühnerleber auf seinem Hof verfüttere, dann könnte die Grippe auch nach Deutschland überschwappen, betont Schmitz.

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