Sie waren die Raketenbauer der Antike - hoch angesehen, vom Staat gefördert, von vielen neidvoll bewundert: Entwickler von Katapulten genossen im scheinbar wissenschaftsfeindlichen Altertum den Ruhm von Stars. Das berichtet die Historikerin Serafina Cuomo vom Londoner Imperial College im Fachmagazin "Science".
Lange Zeit waren Forscher davon ausgegangen, dass Naturwissenschaft und Technik in der Antike nicht viel zählten. Verglichen mit den philosophischen Disziplinen standen sie abseits. Zwischen Theorie und Praxis - den Grundlagen für naturwissenschaftlichen Fortschritt - lagen Welten.
Zumindest auf die Entwickler von Katapulten dürfte das nicht zugetroffen sein. "Die Ingenieure haben mathematische, physikalische und ingenieurwissenschaftliche Fähigkeiten kombiniert und die mächtigsten Waffen ihrer Zeit geschaffen", schreibt Cuomo.
In der Tat: Bis zur Entdeckung des Schießpulvers stellten die Katapulte alle damals bekannten Waffen in den Schatten. So verfügten die Römer über Steinewerfer, die 27 Kilogramm schwere Projektile bis zu 150 Meter weit schleudern konnten. Eine von Archimedes entwickelte Kriegsmaschine soll feindlichen Scharen sogar dreimal so schwere Steine entgegengeschleudert haben.
Die Entwickler solcher Waffen waren nicht nur hoch angesehen, sie wurden auch stark gefördert. Oftmals versammelten antike Herrscher die besten Katapult-Entwickler des ganzen Reiches um sich; es gab Wettbewerbe, die besten Entwürfe wurden ausgezeichnet.
Die Ingenieure waren sich ihrer Bedeutung durchaus bewusst. Sie seien stolz auf ihre Leistungen gewesen, berichtet Cuomo. Auch wenn es noch keine wissenschaftlichen Konferenzen gab, reisten die Katapult-Entwickler häufig in andere Länder, um sich mit Kollegen auszutauschen.
"Die damals entwickelte Technologie mag heute überflüssig sein. Die Ängste, die Neugier, der Stolz ihrer Entwickler sind es nicht", schreibt die Historikerin. "Anscheinend haben sich die Menschen hinter den Maschinen gar nicht so sehr geändert."
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