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22.02.2004
 

Unterdrückte Schmerzen

Placebos lähmen das Gehirn

Scheinmedikamente täuschen dem Körper eine Wirkung vor, die sie eigentlich nicht haben dürften. Doch verwirren Placebos lediglich das Gehirn oder kappen sie gar Nervenleitungen zum schmerzenden Körperteil? US-Forscher haben jetzt eine Antwort gefunden.

Tabletten: Allein der Schein bekämpft den Schmerz
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DDP

Tabletten: Allein der Schein bekämpft den Schmerz

Es ist alles eine Frage des Glaubens. Und der Erwartungen. Placebos, Scheinmedikamente ohne pharmakologische Wirkung, können exakt die Schmerzen lindern, gegen die sie der Arzt verordnet hat. Dabei dämpfen die Placebos die Aktivität bestimmter Gehirnregionen ohne gleich das gesamte Schmerzempfinden zu beeinträchtigen, wie Psychologen und Mediziner mehrerer US-Universitäten nun im Fachmagazin "Science" berichten.

Auf der Suche nach dem Geheimnis der Placebos hat Tor Wager von der University of Michigan in Ann Arbor zusammen mit seinen Kollegen untersucht, wie Probanden auf schmerzhafte Situationen reagieren: auf Hitze, ebenso wie auf schwere und leichte Stromschläge. Mit Hilfe eines Kernspintomographen machten die Mediziner die unterschiedlichen Gehirnaktivitäten ihrer Patienten sichtbar.

Drei Sekunden hatten die Probanden jeweils Zeit, um sich auf einen drohenden Stromschlag einzustellen. Waren die Schmerzen wieder abgeklungen, mussten die Versuchspersonen die Stärke des vorangegangenen Schlags einschätzen. Anschließend wurde ihnen eine angeblich schmerzstillende Salbe verabreicht und der Versuch wiederholt.

Der Schein wirkt...

Die Placebo-Salbe enttäuschte nicht: Befragt nach den Schmerzen, berichteten die Patienten von einer deutlichen Linderung durch die Salbe - ein Effekt, den die Wissenschaftler auch auf den Bildern des Tomographen entdeckten: Unter dem Einfluss des Scheinmedikaments waren die für das Schmerzempfinden zuständigen Gehirnregionen bei weitem nicht so aktiv wie ohne Salbe.

Eine anderer Bereich des Gehirns war dafür umso aktiver: Die Nervenzellen, die Körper und Geist auf drohende Schmerzen vorbereiten, arbeiteten unter Hochdruck - selbst unter dem Einfluss der Salbe. Für die Wissenschaftler ein deutlicher Hinweis darauf, dass auch im Placebo-Fall die Schmerzinformationen im Gehirn ankommen und nicht bereits in den Nervenzellen der Haut oder auf dem Weg zum Gehirn unterdrückt werden.

...wenn auch nicht sofort

Um den zeitlichen Verlauf des Placebo-Schmerzes besser zu verstehen, setzten die Forscher ihre Probanden zusätzlich einem länger anhaltenden Hitzeschmerz aus. Dabei zeigte sich, dass die Placebos keinesfalls sofort wirken. Erst gegen Ende des Schmerzes zeigte sich eine - verglichen mit dem Versuch ohne Salbe - deutlich reduzierte Aktivität im Schmerzzentrum des Gehirns.

Offensichtlich, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler, muss sich das durch Placebos getäuschte Gehirn erst der Schmerzen bewusst werden, um sie gezielt zu unterdrücken. Dazu passt die Beobachtung, dass die Gehirnzellen, die das Schmerzzentrum auf eine drohende Gefahr vorbereiten, sowohl bei den Stromschlag- als auch bei den Hitzeexperimenten eine deutlich gesteigerte Aktivität zeigten.

Möglicherweise sind diese Schmerzwarner sogar dafür verantwortlich, dass opiumartige Substanzen ausgeschüttet werden, die dann beruhigend auf das Schmerzzentrum wirken. Vielleicht, schreiben die Psychologen, schlagen die vorlauten Nervenzellen aber auch so heftig Alarm, dass sie die Aufmerksamkeit des restlichen Gehirns einfach vom Schmerz ablenken.

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