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27.03.2004
 

Kampf gegen Malaria

Biologen entfesseln das Immunsystem

Molekularbiologen haben entdeckt, mit welchen Tricks sich Malaria im Blut von Moskitos ausbreitet. Die neue Erkenntnis könnte helfen, die Tropenkrankheit schon vor der Übertragung auf den Menschen auszuschalten.

Anopheles-Mücke: Proteine schützen Parasiten
DPA

Anopheles-Mücke: Proteine schützen Parasiten

Mindestens 300 Millionen Menschen infizieren sich Jahr für Jahr, eine Million sterben daran: Malaria ist nach wie vor eine der gefährlichsten Krankheiten - für Kleinkinder gilt die Tropenkrankheit gar als weltweite Todesursache Nummer eins. Und noch immer ist kein effektiver Schutz gegen den perfiden Killer in Sicht: Regelmäßig entwickeln Malaria-Stämme Resistenzen gegen die üblichen Prophylaxe-Mittel, an einem wirkungsvollen Impfstoff wird erst noch gebastelt.

Da klingt es viel versprechend, was Forscher am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg nun entdeckt haben. Wie die Molekularbiologen im Fachmagazin "Science" (Bd. 303, S. 2030) berichten, konnten sie Proteine ausmachen, die den Malaria-Erreger vor dem Immunsystem der Moskitos schützt. Dadurch eröffnen sich neue Wege, eine Ansteckung des Menschen schon im Ansatz zu verhindern.

Vom Darm in den Speichel

Wenn eine Anopheles-Mücke auf der Suche nach Nahrung einen infizierten Organismus sticht, saugt sie nicht nur dessen Blut ein, sondern auch den Malaria-Erreger - einen Parasiten namens Plasmodium. Drei Wochen später ist der Parasit so weit gereift, dass er den Darm des Moskitos verlässt und in dessen Speicheldrüsen wandert. Beim nächsten Mahl gelangt er in den Blutkreislauf des Gebissenen und verbreitet sich dort weiter.

Lautloser Killer: Der Weg des Plasmodium-Parasiten
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Science

Lautloser Killer: Der Weg des Plasmodium-Parasiten

Doch nicht alle Moskitos sind - zum Erstaunen der Forscher - so freigiebig. Selbst innerhalb einer Moskito-Art stoßen Wissenschaftler immer wieder auf Mücken, die keine Malaria übertragen. Offensichtlich sorgen bestimmte Proteine im Immunsystem der Moskitos für diese besondere Unverwundbarkeit.

Bereits Anfang des Monats zeigten EMBL-Forscher, dass zwei Eiweiße im Körper der Moskitos aktiv gegen den Parasiten vorgehen. Die Proteine verhindern, dass sich der Malaria-Erreger im Darm der Insekten einnistet.

Entfesseltes Immunsystem zerstört Erreger

Mike Osta und Kollegen haben nun einen zweiten, genau entgegengesetzt wirkenden Effekt gefunden: Die Heidelberger Forscher entdeckten zwei Proteine, die den Parasiten während seiner Entwicklung im Verdauungstrakt vor den Angriffen des Immunsystems der Mücken schützen. Und das offensichtlich sehr effektiv: Nachdem Osta und sein Team die beiden Proteine ausgeschaltet hatten, zerstörten die Moskitos von sich aus 97 Prozent der Malaria-Erreger in ihren Eingeweiden.

Sollte es gelingen, diese schützenden Proteine auch in natürlich vorkommenden Mücken loszuwerden, hätte der Parasit kaum noch Chancen gegen das Immunsystem der Insekten, schreiben die Forscher in "Science". Zuvor müssen die Molekularbiologen allerdings noch einen zuverlässigen Weg finden, um die Proteine ohne große Aktivität des Menschen und ohne weitere Schäden für die Natur in den betroffenen Moskitos auszuschalten.

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