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05.04.2004
 

Essvorlieben

Fett macht happy

Sahniges oder vor Öl triefendes Essen sorgt für ein Glücksfeuerwerk im Gehirn. Die Entdeckung britischer Forscher könnte erklären, warum mancher von Eisbein oder Tiramisu nicht genug kriegen kann.

Schwarzwälder Kirschtorte: Feuerwerk im Hirn
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DPA

Schwarzwälder Kirschtorte: Feuerwerk im Hirn

Lecker klingt es nicht, was Ivan de Araujo und Edmund Rolls ihren zwölf hungrigen Testpersonen zumuteten: Die Probanden mussten einen Tubenbrei aus geschmacksneutraler Zellulose futtern, versetzt mit Wasser, Maisöl, Sirup oder einfachem Pflanzenöl. Während der seltsamen Mahlzeit maßen die Forscher der Oxford University die Gehirnaktivitäten der Teilnehmer mithilfe eines Computertomographen. Das Resultat: Fett im Mund aktiviert das Glückszentrum im Hirn.

Vergleichbare Studien gab es bisher vor allem über den Geschmack, nicht jedoch zu Eigenschaften wie ölig, sahnig oder wässrig, schreiben die Psychologen in der Fachzeitschrift "Journal of Neuroscience" (Bd. 24, S. 3086). Insbesondere die Proben mit dickerer Substanz hätten eine Hirnregion angesprochen, die teilweise mit dem für die Geschmackswahrnehmung zuständigen Bereich überlappe. Daraus folge, dass das Gehirn nicht nur den Geschmack, sondern auch die Beschaffenheit des Essens abbilde.

Fettige Mischungen kurbelten außerdem den cingulären Kortex an, einen Hirnbereich, der auch durch andere angenehme Erlebnisse wie Zärtlichkeiten, verführerische Düfte oder einen Lottogewinn aktiviert wird. Dies erkläre, warum Nahrung mit einem Schuss Sahne besonders gern gegessen werde, erklärte Rolls. Es sei jedoch noch unklar, wie genau die unterschiedliche Beschaffenheit von Speisen im Mund erkannt werde.

Rolls glaubt, dass das genaue Erkennen fettreicher Nahrung letztlich eine Folge der Evolution ist. Menschen entwickelten diese Fähigkeit, um für Nahrungsknappheit vorzusorgen. Überraschenderweise gebe es keine Essensbeschaffenheit, die der Mensch grundsätzlich vermeide, sagte der Forscher. Dazu gehöre auch schleimige Nahrung. "Kaviar und Lachs würden in diese Kategorie fallen."

Auch Nahrungsmittelkonzerne nutzen Gehirnscans, um herauszufinden, welche Produkte am besten schmecken, berichtet der Psychologe David Zald dem Online-Wissenschaftsdienst "Nature Science Update". Die dafür eingesetzten Mittel von einigen Hunderttausend Dollar seien jedoch wenig im Vergleich zu dem, was die Branche üblicherweise für Marktforschung investiere, sagte der Forscher von der amerikanischen Vanderbilt University.

Künftig könnten diese Erkenntnisse dazu dienen, völlig neuartige Nahrungsmittel zu kreieren - etwa Getränke, die kalt schmecken, obwohl sie Zimmertemperatur haben. Zald: "Möglicherweise tricksen wir eines Tages das Gehirn aus."

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