Die Vernetzung des menschlichen Gehirns mit einem Computer war bisher nur in Kinofilmen à la "Matrix" zu sehen. US-Forscher wollen die Vision von der Menschmaschine nun Wirklichkeit werden lassen: Die amerikanische Gesundheitsbehörde genehmigte dem US-Unternehmen Cyberkinetics, gelähmten Patienten einen Computerchip auf die Oberfläche des Gehirns zu pflanzen. Die Hirnströme sollen dann direkt einen Computer steuern.
"Der Computer ist der Übermittler aller Vorhaben der Patienten. Dazu soll auch die Bewegung der eigenen Muskeln durch elektrische Stimulation gehören", erklärt Cyberkinetics-Vorstandschef Tim Surgenor. Der vier Quadratmillimeter große Chip - "Brain Gate" genannt - soll Gelähmten sowie Opfern von Schlaganfällen und schweren Nervenleiden zu mehr Lebensqualität verhelfen. So kann der Rechner auch ein einfaches "Hallo, wie geht's" übertragen und beim Bedienen eines Lichtschalters helfen.
Der Chip wird mit einem ein Millimeter langen Dorn im Gehirn verankert. Danach sehen die Patienten aus wie Darsteller in einem Science-Fiction-Film: Kabel ragen ihnen aus dem Kopf und verbinden sie mit einem Computer. Da hierbei die Gefahr von Infektionen besteht, arbeitet das Unternehmen bereits an einer kabellosen Variante. Ein Jahr lang werden die Probanden den Umgang mit dem System üben und testen, bevor ihnen der Chip wieder entnommen wird.
Jonathan Wolpaw von der Gesundheitsbehörde des Staates New York warnt vor Missverständnissen: "Die Technologie liest nicht Gedanken. Stattdessen wird dem Gehirn die Möglichkeit geboten, neue Fähigkeiten zu erlernen." Wolpaw leitet zurzeit Forschungen im selben Bereich.
Das Experiment basiert auf mehreren früheren Versuchen des Cyberkinetics-Gründers John Donoghue, Neurologe an der Brown University. Er hatte Rhesusaffen Implantate in den Kopf eingesetzt, um die Signale des Gehirns aufzunehmen, während die Affen einen Joystick bedienten. Anschließend waren die Affen in der Lage, einen Computercursor allein mit ihren Gedanken zu steuern, ohne den Arm zu bewegen.
Ähnliche Ergebnisse einer Testreihe hatten im vergangenen Oktober auch Wissenschaftler der Duke University präsentiert. Weitere Forscherteams arbeiten an ähnlichen Studien. Cyberkinetics steht nun vor der Aufgabe, die erweiterte Technik erfolgreich vom Affen auf den Menschen zu übertragen. Das Unternehmen sieht dem Projekt zuversichtlich entgegen: In drei bis vier Jahren soll "Brain Gate" auf den Markt kommen.
Wolpaw blickt schon weiter: Es sei unklar, ob Implantate notwendig seien. Es könne gut sein, dass sich die Absichten der Patienten auch von außerhalb des Kopfes vermitteln lassen, so der Wissenschaftler. "Aber die Vorstellung, Dinge in Gehirnen zu platzieren und so Kontrolle zu erlangen, hat einfach eine besondere Faszination."
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