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20.04.2004
 

Internet-Datenbank

Wirkung menschlicher Gene zu zwei Dritteln entschlüsselt

Von Vlad Georgescu

Genforscher haben ein wichtiges Werkzeug für den Kampf gegen Krankheiten geschaffen: Die Funktionen von mehr als zwei Dritteln der menschlichen Gene sind im Internet abrufbar. Mediziner sprechen von einem Durchbruch - doch die Datenbank birgt auch Risiken.

Forscher mit Auszug aus einer Genomdatenbank: Wirkungsweise der Gene entschlüsselt
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DPA

Forscher mit Auszug aus einer Genomdatenbank: Wirkungsweise der Gene entschlüsselt

Dank der neuen Datenbank können Mediziner im großen Stil sondieren, welche Rolle Gene beim Ausbruch von Krankheiten spielen - per Mausklick im Internet. Dem derzeitigen weltweiten Andrang der Forschergemeinde hält der Server im japanischen Tokio allerdings nicht stand. Lediglich das Logo der neuen Datenbank erscheint, daneben zwei Worte: Server busy.

Dennoch: Die öffentlich zugängliche Internetseite des Japan Biological Information Research Center (JBIRC) gilt als Sensation. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der Genomforschung erfüllten sich Forscher einen Traum: Sie entschlüsselten die Bedeutung von 21.037 so genannten DNS-Clustern, Erbanlagen also, über die jeder Mensch verfügt. Dass die Bedeutung von immerhin zwei Dritteln der insgesamt 30.000 Abschnitte im Erbgut nun geklärt ist, lässt vor allem Mediziner hoffen.

Buchstaben zu Worten geformt

Die nämlich warten schon seit der Veröffentlichung der menschlichen Genomsequenz vor drei Jahren auf die Beantwortung der entscheidenden Frage: Was bewirken eigentlich jene Gene, die man entdeckte? Die Entzifferung des Genoms, im Jahr 2001 von Bill Clinton und Tony Blair feierlich vorgestellt, gab darauf keine Antwort. Sie lieferte nur die Buchstaben des großen Rätsels, ohne die daraus resultierenden Worte zu offenbaren.

DNS-Doppelhelix: Die Buchstaben waren da, die Worte fehlten bisher
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NHGRI

DNS-Doppelhelix: Die Buchstaben waren da, die Worte fehlten bisher

Genau das schaffte nun ein Konsortium von 152 Wissenschaftlern aus 40 Institutionen in elf Ländern. Die Teams verknüpften all ihre global laufenden Forschungsaktivitäten zur Analyse von cDNAs - Kopien der funktionellen Einheiten der Gene - zur weltweit größten Datenbank der Genfunktionen.

Die liefert nun, wenn sie denn erreichbar ist, den Zusammenhang zwischen den Genen und ihren Produkten. Damit steht erstmals ein umfassendes Netz von Beziehungen zwischen Genen, daraus abgeleiteten Eiweißen und deren biologischen Funktionen weltweit zur freien Verfügung.

Angst vor Missbrauch

Stefan Wiemann, Leiter der deutschen Crew und Mitarbeiter der Abteilung Molekulare Genomanalyse des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, sieht in der Datenbank einen Durchbruch: "Eine detaillierte Karte der Mehrheit der menschlichen Gene ist ein entscheidender Fortschritt für Biologen und Mediziner in Wissenschaft und Medikamentenentwicklung." Nun will das DKFZ mit Hilfe der Datenbank die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch untersuchen und dabei Krebsrisikofaktoren erfassen.

Das neue Wissen um die Bedeutung der Gene eröffnet freilich auch das Tor zum Missbrauch. So könnten beispielsweise Lebensversicherungen auf Grund der japanischen Datenbank-Infos in Zukunft gezielte Untersuchungen ihrer Klientel anfordern, oder aber Arbeitgeber den zu vergebenden Job vom Ergebnis des Gentests abhängig machen. Denn die Online-Karte liefert neben Nützlichem möglicherweise genau jene Infos, die mancher lieber unangetastet ließe.

Alles reine Panikmache, wie Genforscher immer wieder gerne beteuern? Noch vor zwei Jahren forderte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn (SPD), zur Eröffnung der internationalen Konferenz "Das Genetische Wissen und die Zukunft des Menschen" in Berlin eine breite Debatte über die ethischen und rechtlichen Grenzen der Biotechnologie. Besonders im Fall der Gentests lägen Chancen und Risiken eng beieinander.

Mit den Erkenntnissen aus der genetischen Diagnostik könne Menschen zwar bereits vorbeugend geholfen werden. Diese Tests könnten gleichzeitig aber negative soziale Auswirkungen auf die Betroffenen haben, sagte die Ministerin damals: "Niemand darf zu einem Test gezwungen werden, es darf keine Benachteiligungen geben, und das Recht auf Nichtwissen muss geschützt bleiben."

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