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11.06.2004
 

Forschungsbetrüger Schön

Doktortitel futsch

Einst galt der deutsche Physiker Jan Hendrik Schön als Anwärter auf den Nobelpreis. Doch nachdem sich seine spektakulären Publikationen zu Supraleitung und Molkekül-Transistor als Fälschung entpuppten, begann der Fall des Forschers. Nun verliert er auch seinen Doktortitel.

Forschungsbetrüger Schön: Doktortitel entzogen
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AP

Forschungsbetrüger Schön: Doktortitel entzogen

"Der Fall Schön ist der größte Fälschungsskandal in der Physik der letzten 50 Jahre", erklärte Wolfgang Dieterich, Professor an der Universität Konstanz. In der Stadt am Bodensee hatte Schön von 1988 bis 1993 studiert und 1998 promoviert.

"Jan Hendrik Schön hat die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft in der Öffentlichkeit stark beschädigt." Der von Dieterich geleitete Promotionsausschuss der Uni hat ihm nun seinen Doktortitel entzogen. Die Universität begründete ihre Entscheidung mit den zahlreichen spektakulären Manipulationen Schöns in seiner Zeit bei den Bell-Labs in Murray Hill (US-Bundesstaat New Jersey). Der einst international gefeierte Schön habe sich des Titels als unwürdig erwiesen.

Eine Kommission der Bell-Labs hatte 25 der Schön-Veröffentlichungen unter die Lupe genommen und in 16 Fällen Datenmanipulationen festgestellt. Schön präsentierte in seiner Zeit an den Bell Labs einen spektakulären Durchbruch nach dem anderen: Auf den organischen Laser folgte der Hochtemperatur-Supraleiter und schließlich der Transistor in der Größenordnung eines einzelnen Moleküls. Beim Technologiekonzern Lucent, dem Eigner der Bell-Labs, war man begeistert. Bis sich das Ganze als gigantischer Schmu entpuppte.

Die Universität Konstanz erklärte, das wissenschaftliche Fehlverhalten bei seinen späteren Arbeiten sei Grund für den Entzug des Doktortitels. Doch auch während seiner vorherigen Tätigkeit in Konstanz soll Schön gepfuscht haben. Eine von der Hochschule eingesetzte Untersuchungskommission konnte zwar keine "bewusste Datenmanipulation" feststellen. Allerdings wurden Schön handwerkliche Fehler nachgewiesen. Unter anderem soll er falsche Bezüge zwischen grafischen Darstellungen und Messdaten hergestellt haben.

Die Wegnahme des Titel wird mit dem Universitätsgesetz des Landes Baden-Württemberg begründet. Ein Entzug sei möglich, wenn sich "der Inhaber durch sein späteres Verhalten der Führung des Grades als unwürdig erwiesen hat".

"Forschungsfreiheit darf nicht als Spielwiese für Betrug und Manipulation missbraucht werden", erklärte der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Professor Wolfgang Dieterich. Gegen den Bescheid des Ausschusses kann Schön innerhalb eines Monats nach seiner Bekanntgabe Widerspruch erheben.

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