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18.06.2004
 

Der Fall Columbus

Die Entdeckung des mysteriösen Wracks

Vor Panama untersuchen Forscher ein Schiffswrack, bei dem es sich um die "Vizcaína" von Christoph Columbus handeln könnte. Die SPIEGEL-Redakteure Klaus Brinkbäumer und Clemens Höges beschreiben, wie Schatzsucher zufällig auf die Überreste des wohl ältesten Schiffs gestoßen sind, das jemals vor der Küste Amerikas entdeckt wurde.

In Santa María de Belén hatten wir nie richtig Zeit gehabt, die Schiffe zu überholen, zu verpichen und zu kalfatern. Das rächte sich nun, als wir Puerto Bello erreicht hatten. Dort mussten wir auch die "Vizcaína" zurücklassen - die Holzwürmer hatten schon den Schiffsboden zerstört. Auf zwei Schiffen wurde nun die ganze Mannschaft zusammengepfercht, sie mussten die Vorräte aufnehmen, die wir noch besaßen, und - das Gold.

Aus dem Bericht des Diego Méndez, 1503


Diver's Haven, Panama, 1996

Anker des Wracks vor Nombre de Dios: Columbus war krank, fast blind, die Matrosen hassten ihn, die Schiffe zerfielen
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Karl Vandenhole / DER SPIEGEL

Anker des Wracks vor Nombre de Dios: Columbus war krank, fast blind, die Matrosen hassten ihn, die Schiffe zerfielen

Heute soll es ein Hafen sein, so etwas wie Heimat also, Heimat für Taucher aus aller Welt. Für Christoph Columbus lag hier vor 495 Jahren das Ende der Welt.Weiter entfernt war die Heimat für Christoph Columbus nie.

Diver's Haven heißt der Ort heute, der Hafen der Taucher. Diver's Heaven, der Himmel der Taucher, so sprechen die Leute den Namen aus. "Santa Gloria", so hatte Christoph Columbus die Bucht genannt, und dann muss er sich in den Wochen danach gefühlt haben wie von Gott verlassen, von seinem Gott, jenem Gott, der ihn doch auserwählt hatte, das glaubte Columbus. Es waren höllische Zeiten für ihn: Columbus war krank, er sah kaum noch etwas, und seine Schiffe zerfielen ihm unter den Füßen, Tausende Meilen von Spanien entfernt.

Und heute, knapp 500 Jahre später: Ist dies nun der Himmel für James Norris oder das Ende seiner Träume? Ist der Himmel der Taucher in Wahrheit auch seine kleine, ganz private Hölle?

James Norris hatte versucht, in Portobelo an der Karibikküste Panamas Fuß zu fassen. Er wollte dort eine Tauchbasis eröffnen, er hatte schon das Land gekauft und das Haus gebaut. Doch dann kam die Mutter jener Frau, von der er das Land gekauft hatte, und sagte, dieses Land habe der Tochter leider niemals gehört, nein, das sei alles ein Irrtum, denn das Land gehöre ihr, der Mutter, und dann kamen die Klagen, und die Gerichte eröffneten Untersuchungsverfahren, und so lange durfte die Tauchbasis nicht öffnen und...

"So ist Panama, genau so, exakt 478.000 Dollar habe ich verloren, das war alles, was ich hatte", sagt James Norris, und übrigens, sagt er dann, Nilda Vázquez hieß die Frau, von der er das Land gekauft hat, "auf Nilda kommen wir noch mal zurück".

James Norris ist ein braun gebrannter Kerl mit langen, blonden Haaren, 50 Jahre alt, er trägt eine Reebok-Mütze und einen Ohrring und auf dem Oberarm eine Tätowierung: Meerjungfrau vor Sonnenaufgang. Panama war der Traum des James Norris. James Norris kommt aus Alabama, früher war er "Entertainer", sagt er, Animateur in Ferienclubs. Und Panama, das hieß Freiheit für ihn, keine Regeln mehr, ein eigenes Tauchresort, die schönsten Riffe der Welt. Panama war der Himmel, dachte er.

Und darum hat er nun, im Sommer 1996, als sein Geld weg ist und auch sein Haus in Portobelo, genau zwei Möglichkeiten. Er könnte heimkehren nach Alabama, geschlagen und gescheitert, oder er könnte es noch einmal versuchen. Nein, er hat natürlich nur eine Möglichkeit. Er versucht es noch einmal.

James Norris fährt die Küste entlang, immer weiter nach Osten. Es gibt hinreißende Buchten hier,weiß der Sand, grün die Palmen, blau das Meer, es ist nur alles verdammt weit weg von der Zivilisation.Wie sollen die Taucher hierher kommen, die Touristen, ohne die eine Tauchbasis leider nicht funktioniert? Andererseits: Das Land ist billig hier.

Von Panama City braucht man mit dem Auto anderthalb Stunden bis nach Portobelo. Von Portobelo braucht man etwa eine Stunde, bis man in Nombre de Dios ist und damit in der Dritten Welt. Von Nombre de Dios braucht man noch einmal 20 Minuten, bis man im Diver's Haven ist. Es gibt viel Staub auf diesem Weg und eine Menge Schlaglöcher. Es ist nicht wirklich gemacht für Massentourismus. Andererseits: Es ist schön hier.

Hängematten hängen zwischen den Palmen. Hühner und Hunde laufen herum, ein Volleyballnetz ist aufgebaut, und wenn man von den Tischen vor James Norris' bunt bemaltem Haus aufsteht und 30 Sekunden lang läuft, dann steht man im Karibischen Meer. Es ist der Himmel der Taucher.

Als er anfängt mit dieser Tauchbasis, macht James Norris das, was jeder Gründer einer Tauchbasis macht: Er fragt die Fischer der Gegend, wo die meisten Fische sind. Es ist eine dieser klassischen Taucherregeln: Fische sammeln sich an Riffen und Wracks, also dort, wohin auch die Taucher wollen. Die Fischer nennen James Norris fünf, sechs Stellen in der Bucht von Nombre de Dios, und James Norris nimmt Schnorchel und Flossen und erkundet die Gegend. Er sieht es, als er direkt darüber ist.

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