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Der Fall Columbus Die Entdeckung des mysteriösen Wracks

4. Teil: Die ungenutzte Chance: Lesen Sie im vierten Teil, wie Filz, Neid und Geldgier die Bergung des Wracks verhindern

Nombre de Dios, Panama, Oktober 2001

Kanonen auf dem Wrackhügel von Nombre de Dios: Metallene Relikte aus alter Zeit
Karl Vandenhole / DER SPIEGEL

Kanonen auf dem Wrackhügel von Nombre de Dios: Metallene Relikte aus alter Zeit

Es gibt noch eine dritte Geschichte von der Entdeckung der "Vizcaína". Das ist die Geschichte der Nilda Vázquez.

Nilda Vázquez sagt, sie sei erstmals mit Columbus in Berührung gekommen, als sie 1992 die Jubiläumsfeiern der Provinz Colón organisierte, 500 Jahre Entdeckung Amerikas. Nilda Vázquez sagt, sie habe einen Tauchshop gehabt, "Diver's Haven", den ihr dann ein verrückter Amerikaner namens James Norris abgekauft habe, aber leider konnte der nicht bezahlen, also musste sie vor Gericht und ihm die Immobilie wieder abnehmen, schade. Ein Dieb sei dieser James Norris, sagt sie, Möbel, Kabel, Tauchausrüstung, alles habe er geklaut, "äh, wo war ich?"

Die "Vizcaína". Ja. Jedenfalls las Nilda Vázquez 1992 natürlich auch von der "Vizcaína", und wie viele andere tauchte sie in der Bucht von Portobelo nach dem Wrack. Vergebens.

Nilda Vázquez hat schulterlange braune Haare, ist ziemlich mollig, trägt eine tief ausgeschnittene weiße Bluse. Sie ist 53 Jahre alt im Oktober 2001, sie hat sich ein schönes rosafarbenes Haus an die Einfahrt zur Bucht von Portobelo gebaut, ein Haus wie ein Palast, Scherben, Münzen schmücken ihre Wände, allerlei Zeug, das so herumliegt auf dem Meeresboden. Nilda Vázquez ist Witwe, ihr Mann war bei der U.S. Army und starb 1999. Nilda Vázquez ist Geschäftsfrau, sie handelt mit Immobilien, ohne sie geht wenig in Portobelo.

Sie sagt, es sei schon richtig, dass Warren White das Wrack gefunden habe, aber er habe es nicht erkannt. Sie sagt, sie habe Warren White gefragt, ob er interessante Wracks an der Küste Panamas kenne; Warren White habe ihr ein paar Stellen genannt und ansonsten keine Ahnung gehabt, "und ich sagte ihm, das Schiff in Nombre de Dios müsse die 'Vizcaína' sein".

He said: "What?"
I said: "Yeah, the 'Vizcaína' of Christopher Columbus."

Die beiden fahren zur Wrackstelle, sie tauchen zusammen, sie sammeln ein paar Kanonen ein. Und Scherben. Archäologen sind nicht dabei.

Immerhin legen sie das Zeug in Becken mit Süßwasser. Die Becken lässt Nilda vor einem Gebäude aufstellen, in dem sie früher mal ein Restaurant hatte, damals, als die Amerikaner noch in Panama waren. Das ist die dritte Geschichte von der Entdeckung der "Vizcaína". Drei Geschichten oder drei Versionen einer Geschichte sind das, die drei Menschen erzählen, die an der Karibikküste Panamas leben.

Welcher dieser drei Menschen das Wrack als Erster gesehen hat, wer von ihnen als Erster den Namen "Vizcaína" aussprach, das lässt sich schon ein paar Jahre später nicht mehr klären.

Diese drei Geschichten - oder besser: diese drei Versionen der Geschichte von der Entdeckung der "Vizcaína" - sagen eine Menge aus über Panama, über Ohnmacht und Neid, Filz und verpasste Chancen. Vor Gericht streiten die Regierung, Behörden und Leute wie Warren White und Nilda Vázquez darüber, wer welche Rechte an dem Wrack hat. Der 500. Jahrestag des Untergangs der "Vizcaína" verstreicht. Und ein Schiff, das möglicherweise eine Weltsensation ist, liegt in der Bucht vor Nombre de Dios, und nichts geschieht.

Keine Universität schickt ihre Leute, die Unterwasserarchäologen tauchen hier nicht, es gibt nur Gerüchte, aber keine Beweise, keine Untersuchung, nichts. Und natürlich gibt es keine Pläne, das Schiff zu bergen. Die Columbus-Experten glauben die Gerüchte von der Entdeckung der "Vizcaína" nicht. Wieso sollten sie auch?

James Norris, den Taucher aus dem Diver's Haven, kümmert der Haufen in der Bucht von Nombre de Dios nicht weiter. Warren White, der Schatzsucher aus Miami, behauptet, es sei die "Vizcaína", aber beweisen kann er nichts. Die Geschäftsfrau Nilda Vázquez ... Bitte, wer?

Und darum wird die Geschichte von der Entdeckung der "Vizcaína" zu einer dieser Geschichten, die kurz hochkommen und dann wieder verschwinden, ganz einfach, weil niemand daran glaubt. Niemand schreibt darüber, niemand forscht, niemand hebt das Schiff ans Tageslicht.Was bleibt, sind die Meldungen in den Weiten des Internet, Jahre alt. Wer in den Suchmaschinen "Vizcaína" eingibt, findet sie. Aber wer macht das schon?

Es gab ein Gerücht, und es ist verpufft. Die Frage ist, ob das Gerücht deshalb falsch sein muss.

In der nächsten Folge: Aufbruch ins Desaster - wie Christoph Columbus auf seiner vierten und letzten Reise verzweifelt versuchte, den versprochenen Seeweg nach Indien zu finden.

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