Wer glaubt da an einen Zufall? Ausgerechnet am Tag der Sonnenwendfeier gaben Archäologen die großen Neuigkeiten bekannt: Die sieben Männer, deren 4300 Jahre alten Skelette im vergangenen Jahr in der Nähe von Stonehenge bei Bauarbeiten gefunden worden waren, gehörten zu den Erbauern der mutmaßlichen Kultstätte. Die Nachricht dürfte die Fangemeinde in Entzücken versetzen: Am heutigen Montag kamen mehr als 20.000 Esoteriker, Druiden und New-Age-Fans zur Feier der Sommersonnenwende nach Stonehenge.
Die "Boscombe Bowmen", benannt nach ihrem Fundort Boscombe Down, wurden vor rund 4300 Jahren zusammen mit Tongefäßen und Pfeilspitzen begraben und galten schon bei ihrer Entdeckung als potenzielle Helfer beim Bau von Stonehenge. Die Vermutung hat sich nun mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" bestätigt, wie das Forschungsunternehmen Wessex Archaeology mitteilt - anhand von Untersuchungen am Zahnschmelz der Toten.
Zähne speichern während ihres Wachstums den chemischen Fingerabdruck der Umgebung, in der ihr junger Besitzer aufwächst. Forscher des British Geological Survey fanden im Zahnschmelz der "Boscombe Bowmen", bei denen es sich um vier Brüder und drei Kinder handelt, auffallend große Mengen an radioaktivem Strontium.
Während Wissenschaftler noch immer darüber streiten, ob Stonehenge etwa eine Kultstätte oder eine vorzeitliche Sternwarte war, ist die Herkunft der bis zu zwanzig Meter hohen Steine weitgehend geklärt. Einige besonders auffällige Brocken - die wegen ihrer Farbe so genannten "Blue Stones" - wurden aus den 250 Kilometer entfernten Preseli-Hügeln in Wales herangeschafft, einer Region mit besonders starker natürlicher Radioaktivität.
Die Forscher folgern daraus, dass die "Boscombe Bowmen" aus dieser Region stammten und im Zusammenhang mit dem Bau des Steinkreises nach Stonehenge kamen. "Im Mittelalter glaubten die Menschen, dass nur der Zauberer Merlin in der Lage war, die Steine nach Stonehenge zu bringen", sagte Andrew Fitzpatrick von Wessex Archaeology. "Zum ersten Mal haben wir jetzt die sterblichen Überreste von einer der Familien gefunden, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an dieser monumentalen Aufgabe beteiligt war."
Die Zähne der Männer und Kinder weisen außerdem darauf hin, dass sie im Alter von drei bis 13 Jahren aus ihrer Heimat fortgezogen seien, erklärte Jane Evans vom British Geological Survey. "Damit ergibt sich ein bemerkenswertes Bild der prähistorischen Völkerwanderung."
Die "Boscombe Bowmen" wurden mit sieben oder acht Töpfen bestattet, die den Grabbeigaben des so genannten Bogenschützen von Amesbury ähneln. Der Mann, der ungefähr zur gleichen Zeit lebte wie die "Boscombe Bowmen", lag im prunkvollsten Grab, das bisher aus dieser Epoche in Europa entdeckt wurde. Er ist zudem der erste bekannte Mensch in Großbritannien, der Metall verarbeitete. Sein Grab enthielt zudem die ersten bekannten Goldgegenstände Britanniens. Der Bogenschütze von Amesbury stammte allerdings aus Mitteleuropa, wie Tests an seinen Zähnen ergaben.
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