Kuh: Bedroht BSE jeden zweiten Menschen?
Bislang war die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK), bei der veränderte Prionen das Gehirn schwammartig aufweichen, nur bei Menschen mit einer bestimmten genetischen Ausstattung festgestellt worden, wie sie rund ein Drittel der Weißen aufweisen.
Jetzt fanden die Wissenschaftler eine vCJK-Infektion laut der im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichten Studie auch bei einer Person, die über ein genetisches Profil verfügt, wie es rund die Hälfte der weißen Bevölkerung besitzt. Damit könnte die tödliche Krankheit viel mehr Menschen bedrohen, als bis heute angenommen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Verzehr BSE-kranker Rinder Creutzfeldt-Jakob auslöst.
Ein möglicher Hoffnungsstreif könnte dabei sein, dass der Betroffene in diesem Fall keine Symptome der Krankheit entwickelte. Möglicherweise deutet dies auch auf einen milderen Verlauf bei einigen Menschen hin.
"Bislang hatten wir keine Hinweise, dass diese große Untergruppe überhaupt für vCJK-Infektionen anfällig ist, aber dieser Fall zeigt, dass sie es offenkundig ist", erklärte James Ironside, Direktor der britischen Kommission zur Überwachung der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen, die die Studie verfasste. Dabei sei es aber auch möglich, dass die Ansteckungszeit in dieser Gruppe länger sei als bisher bekannt.
Kreutzfeld-Jakob-Prion: Krankheitsprognosen grundlegend überholen
BSE wurde Mitte der achtziger Jahre in Großbritannien schlagartig bekannt und trat in der Folge auch in zahlreichen weiteren Ländern auf. Unzählige Rinder wurden daraufhin getötet. Seit 1996 wurden 147 vCJK-Fälle in Großbritannien registriert und 10 in anderen Ländern.
In dem neuen Fall wurde die Infektion der Studie zufolge bei der Autopsie einer älteren Person festgestellt, die nicht an vCJK gestorben war. Die Infektion wurde in der Milz nachgewiesen, nicht wie bisher in Hirn, Mandeln oder Blinddarm. Symptome der Krankheit treten vermutlich erst auf, wenn das Gehirn betroffen ist. Ungeklärt ist, ob der in der Studie beschriebene Patient starb, bevor sich die Infektion ausbreiten konnte - oder ob sie nie das Gehirn befallen hätte und die Person somit nie erkrankt wäre.
Übertragung auch ohne Krankheitssymptome
Hirnprobe auf Creutzfeldt-Jakob: 147 Fälle in Großbritannien
Eine weitere Studie in der neuen Ausgabe von "The Lancet" hält das Ausfiltern von weißen Blutzellen im Spenderblut auch für nur beschränkt effektiv, um eine vCJK-Übertragung zu verhindern. Hingegen macht eine dritte Untersuchung Hoffnung auf eine neue Technik zur wirksamen Desinfektion von Operationsbesteck.
Emma Ross, AP
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