Newport/Kiel - Geowissenschaftler aus Kiel haben bei Tauchfahrten im nordöstlichen Pazifik eine 125 Meter hohe Gasblase entdeckt. "Sie liegt im südlichen Teil des Hydratrückens und wir konnten sehen, daß dort an acht verschiedenen Stellen Gas austritt", berichtete am Montag abend Erwin Suess, Direktor des Kieler Geomar Forschungszentrums für marine Geowissenschaften. Der Hydratrücken ist ein unterseeisches Gebirgsmassiv von der Größe des Harzes. Darin befinden sich Methanhydrate, die sehr viel Energie enthalten und auch als brennendes Eis bezeichnet werden. Sie bestehen aus Wasser und Methan und bilden sich unter hohem Druck und niedriger Temperatur.
Das entweichende Methangas sei ein sicheres Indiz für größere Vorkommen an Gashydraten vor der Küste des US-Bundesstaats Oregon, erklärte Suess, der von einer Fahrt mit dem Tiefsee-Tauchboot "Alvin" einige Proben des Hydrats im Meeresboden mitbrachte. "Alvin", das derzeit auf dem Forschungsschiff "Atlantis" stationiert ist, war auch bei der Suche nach dem Wrack der "Titanic" eingesetzt worden.
Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam will nun die Ursachen für den Zerfall der Gashydrate untersuchen. Denkbar sei, daß sich die eisähnlichen Substanzen unter dem Einfluß steigender Temperaturen erwärmten und somit das Methangas freisetzten. Bis Oktober sind im Bereich des amerikanischen Hydratrückens westlich von Newport insgesamt neun Expeditionen mit vier Forschungsschiffen geplant. Das Großprojekt wird gemeinsam von Geomar in Kiel und der State University in Corvallis (Oregon) getragen. Bereits 1996 hatten Geomar-Wissenschaftler große Methanhydrat-Vorkommen im Pazifik entdeckt.
Methanhydrate stehen zur Zeit im Mittelpunkt der meeresgeowissenschaftlichen Forschung. Allerdings sind die riesigen unterseeischen Vorkommen bislang noch wenig erforscht. Schätzungen zufolge sollen die Energievorräte in den Methanhydraten sämtliche Kohle-, Erdöl- und Erdgasvorkommen der Erde weit übertreffen. Aber das Gashydrat birgt auch Gefahren: Freigesetztes Methan wirkt in der Atmosphäre als starkes Treibhausgas, die Zersetzung größerer Mengen der unterseeischen Methanhydrat-Vorkommen könnte deshalb zu Klimaveränderungen führen.
Nach Ansicht von Erwin Suess kann zerfallendes Gashydrat außerdem auf untermeerischen Hängen Erdrutsche verursachen, die in Küstengebieten verheerende Flutwellen nach sich ziehen können. Manche Forscher bringen die Gashydrat-Vorkommen sogar mit dem Verschwinden von Schiffen und Flugzeugen im Bermuda-Dreieck in Verbindung. Demnach sei das Meerwasser durch aufsteigende Gasblasen so dünn geworden, daß es die Schiffe nicht mehr tragen konnte. Die Flugzeuge seien abgestürzt, weil Methanwolken in der Atmosphäre die Motoren in Brand gesetzt hätten.
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