Von Markus Becker
Forscher am Institut für Tiermedizin im chinesischen Harbin haben weltweit zum ersten Mal einen tödlichen Stamm des Geflügelgrippe-Erregers H5N1 in Schweinen gefunden. Ein Mitarbeiter des Labors habe die Entdeckung mittlerweile bestätigt, meldet die Nachrichtenagentur AP.
Das Geflügelgrippe-Virus ist nach derzeitigen Erkenntnissen bisher nur von Hühnern direkt auf den Menschen übergegangen, nicht aber von einem Menschen auf den anderen. Das könnte sich jedoch ändern, wenn sich ein grippekranker Mensch zusätzlich mit H5N1 infiziert. In einem solchen Fall, befürchten Mediziner, könnten sich die Erreger genetisch zu einem Supervirus vermischen. Die Folge wäre womöglich eine Pandemie wie die Spanische Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit zwischen 20 und 40 Millionen Menschen getötet hat.
Die Viren können sich allerdings nicht nur in Menschen, sondern auch in Schweinen verbinden. Schweine, deren Immunsystem dem des Menschen ähnelt und deshalb anfällig für dessen Krankheiten ist, stellen dabei das weit gefährlichere Mischgefäß dar.
Denn während eine Geflügelgrippe-Infektion beim Menschen schwere Krankheitssymptome auslöst und sogar tödlich verlaufen kann, bleibt eine H5N1-Infektion bei Schweinen nahezu folgenlos. "Im Gegensatz zu Menschen werden Schweine von H5N1 nicht krank", erklärte Peter Cordingley, Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Westpazifikraum, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Die Tiere würden keinerlei Symptome einer Krankheit zeigen und deshalb nicht mit Vorsicht behandelt werden."
Die Entdeckung eines tödlichen H5N1-Stammes in Schweinen würde die WHO-Experten kaum überraschen, betont Cordingley. "Wir wissen schon lange, dass diese Möglichkeit besteht." Ob die jetzt gefundenen infizierten Schweine eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen, könne noch nicht eingeschätzt werden. "Wir wissen nicht, um wie viele Schweine es sich handelt, ob die Ansteckung im Labor oder auf einem Bauernhof stattgefunden hat und ob sich auch Schweine gegenseitig infiziert haben", so Cordingley. "Im Moment können wir nicht einschätzen, ob eine Gefahr für die Bevölkerung besteht."
Sollte das gefürchtete Supervirus entstehen, könne es zu einer Katastrophe kommen: "Kein Land der Welt, weder in Asien noch irgendwo sonst", sagt Cordingley, "könnte einen solchen Erreger stoppen."
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