ThemaSeuchenRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
26.08.2004
 

Grippeviren

US-Behörde bereitet sich auf globale Seuche vor

Von Markus Becker

Die Furcht vor einem neuen Grippevirus, das von Asien aus eine weltweite Seuche auslösen könnte, geht auch in Washington um. Die oberste Gesundheitsbehörde der US-Regierung hat jetzt einen Notfallplan aufgestellt, der von bis zu 207.000 Toten allein in den USA ausgeht. Auch in Deutschland wird ein "Pandemieplan" geprüft.

Notschlachtung von Hühnern in Thailand: Die Angst vor der Pandemie geht um
Zur Großansicht
REUTERS

Notschlachtung von Hühnern in Thailand: Die Angst vor der Pandemie geht um

Der Notfallplan des US-Department of Health and Human Services soll am heutigen Donnerstag offiziell vorgestellt werden, wie die Nachrichtenagentur AP meldet. Die Experten der Behörde gehen demnach im schlimmsten Fall davon aus, dass eine Grippe-Pandemie bis zu 207.000 Tote allein in den USA fordern könnte. Millionen von Infizierten würden in einem solchen Fall Kliniken und Arztpraxen überlasten. Der Zusammenbruch des öffentlichen Nahverkehrs könnte dem Land schweren wirtschaftlichen Schaden zufügen, heiße es in dem Papier. Die Entwicklung eines Impfstoffs würde nach derzeitigem Stand Monate dauern.

Vergangene Woche hatten chinesische Wissenschaftler mit der Ankündigung für Schlagzeilen gesorgt, sie hätten bei Schweinen einen tödlichen Stamm des Vogelgrippe-Erregers H5N1 gefunden. In Schweinen, deren Immunsystem dem des Menschen ähnelt, könnte sich H5N1 leicht mit einem menschlichen Grippeerreger vermischen. Das mögliche Ergebnis wäre ein Supervirus, das - anders als die Vogelgrippe - von Mensch zu Mensch übertragbar wäre und eine weltweite Seuche mit Millionen Toten auslösen könnte.

Langer Weg zum Impfstoff

Die chinesische Regierung hat die Nachricht aus dem Labor in der nordostchinesischen Stadt Harbin zwar dementiert. Doch Experten der Weltgesundheitsorganisation und anderer Einrichtungen halten es nur für eine Frage der Zeit, wann die nächste Grippewelle um den Globus zieht. Im vergangenen Jahrhundert gab es drei solcher Pandemien. Die schwerste, die so genannte Spanische Grippe, kostete 1918 rund 20 Millionen Menschen das Leben.

Patienten der Spanischen Grippe von 1918: Böse Erinnerung an die schwerste Pandemie des 20. Jahrhunderts
Zur Großansicht
AP

Patienten der Spanischen Grippe von 1918: Böse Erinnerung an die schwerste Pandemie des 20. Jahrhunderts

Die Gesundheitsbehörde schlägt in ihrem Notfallplan mehrere Maßnahmen zur Vorbereitung vor. Die wichtigste wäre eine deutliche Beschleunigung der Impfstoff-Entwicklung. Derzeit dauere es schon sechs bis acht Monate, um wirksame Schutzmittel gegen die Grippeviren herzustellen, die jeden Winter kursieren und sich nur leicht von ihren Vorgängern unterscheiden. "Ein Pandemie-Virus würde sich dagegen genetisch stark von anderen Grippeerregern abheben", warnt die Behörde nach Angaben von AP.

Vier Medikamente, so der Notfallplan weiter, könnten nach den ersten Symptomen zur Behandlung der Grippe eingesetzt werden oder die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zumindest senken. Allerdings seien die Vorräte in den USA begrenzt. Sollte eine Pandemie ausbrechen, empfiehlt der Plan auch Reisebeschränkungen für US-Bürger, ähnlich denen, die bereits während der Sars-Epidemien in Asien und Kanada im vergangenen Jahr zum Einsatz kamen. Schulen könnten geschlossen, öffentliche Versammlungen eingeschränkt und sogar Quarantäne verordnet werden.

Deutsche Bundesländer prüfen Pandemie-Plan

In Deutschland stecken die Vorbereitungen für eine Grippe-Pandemie noch im Anfangsstadium. Eine Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern hat im Frühjahr dieses Jahres einen "Pandemieplan" entworfen, erklärte das für Krankheitsprävention zuständige Berliner Robert-Koch-Institut gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die darin formulierten Anforderungen würden derzeit von Vertretern der Landesregierungen geprüft, sagte eine Sprecherin des baden-württembergischen Sozialministeriums auf Anfrage. Details könne man aber erst nach dem Ende der Überprüfung bekannt geben.

Auch bei dem US-Notfallplan handelt es sich zunächst um einen Entwurf, der bis Oktober öffentlich diskutiert werden soll. "Wir haben erkannt, dass wir größere Kapazitäten zur Behandlung und Vorbeugung brauchen", sagte Julie Gerberding, Direktorin der der US-Bundesbehörde Centers for Disease Control and Prevention. Allerdings seien im Fall einer Pandemie auch altmodische Maßnahmen wie Isolation und Quarantäne denkbar. "Wir müssen die Menschen darüber informieren, was unsere ersten Schritte sein werden, warum sie notwendig sind und was zu tun ist, um die Störung des öffentlichen Lebens zu minimieren."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch
alles zum Thema Seuchen

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP