Von Markus Becker
Der Notfallplan des US-Department of Health and Human Services soll am heutigen Donnerstag offiziell vorgestellt werden, wie die Nachrichtenagentur AP meldet. Die Experten der Behörde gehen demnach im schlimmsten Fall davon aus, dass eine Grippe-Pandemie bis zu 207.000 Tote allein in den USA fordern könnte. Millionen von Infizierten würden in einem solchen Fall Kliniken und Arztpraxen überlasten. Der Zusammenbruch des öffentlichen Nahverkehrs könnte dem Land schweren wirtschaftlichen Schaden zufügen, heiße es in dem Papier. Die Entwicklung eines Impfstoffs würde nach derzeitigem Stand Monate dauern.
Vergangene Woche hatten chinesische Wissenschaftler mit der Ankündigung für Schlagzeilen gesorgt, sie hätten bei Schweinen einen tödlichen Stamm des Vogelgrippe-Erregers H5N1 gefunden. In Schweinen, deren Immunsystem dem des Menschen ähnelt, könnte sich H5N1 leicht mit einem menschlichen Grippeerreger vermischen. Das mögliche Ergebnis wäre ein Supervirus, das - anders als die Vogelgrippe - von Mensch zu Mensch übertragbar wäre und eine weltweite Seuche mit Millionen Toten auslösen könnte.
Langer Weg zum Impfstoff
Die chinesische Regierung hat die Nachricht aus dem Labor in der nordostchinesischen Stadt Harbin zwar dementiert. Doch Experten der Weltgesundheitsorganisation und anderer Einrichtungen halten es nur für eine Frage der Zeit, wann die nächste Grippewelle um den Globus zieht. Im vergangenen Jahrhundert gab es drei solcher Pandemien. Die schwerste, die so genannte Spanische Grippe, kostete 1918 rund 20 Millionen Menschen das Leben.
Die Gesundheitsbehörde schlägt in ihrem Notfallplan mehrere Maßnahmen zur Vorbereitung vor. Die wichtigste wäre eine deutliche Beschleunigung der Impfstoff-Entwicklung. Derzeit dauere es schon sechs bis acht Monate, um wirksame Schutzmittel gegen die Grippeviren herzustellen, die jeden Winter kursieren und sich nur leicht von ihren Vorgängern unterscheiden. "Ein Pandemie-Virus würde sich dagegen genetisch stark von anderen Grippeerregern abheben", warnt die Behörde nach Angaben von AP.
Vier Medikamente, so der Notfallplan weiter, könnten nach den ersten Symptomen zur Behandlung der Grippe eingesetzt werden oder die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zumindest senken. Allerdings seien die Vorräte in den USA begrenzt. Sollte eine Pandemie ausbrechen, empfiehlt der Plan auch Reisebeschränkungen für US-Bürger, ähnlich denen, die bereits während der Sars-Epidemien in Asien und Kanada im vergangenen Jahr zum Einsatz kamen. Schulen könnten geschlossen, öffentliche Versammlungen eingeschränkt und sogar Quarantäne verordnet werden.
Deutsche Bundesländer prüfen Pandemie-Plan
In Deutschland stecken die Vorbereitungen für eine Grippe-Pandemie noch im Anfangsstadium. Eine Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern hat im Frühjahr dieses Jahres einen "Pandemieplan" entworfen, erklärte das für Krankheitsprävention zuständige Berliner Robert-Koch-Institut gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die darin formulierten Anforderungen würden derzeit von Vertretern der Landesregierungen geprüft, sagte eine Sprecherin des baden-württembergischen Sozialministeriums auf Anfrage. Details könne man aber erst nach dem Ende der Überprüfung bekannt geben.
Auch bei dem US-Notfallplan handelt es sich zunächst um einen Entwurf, der bis Oktober öffentlich diskutiert werden soll. "Wir haben erkannt, dass wir größere Kapazitäten zur Behandlung und Vorbeugung brauchen", sagte Julie Gerberding, Direktorin der der US-Bundesbehörde Centers for Disease Control and Prevention. Allerdings seien im Fall einer Pandemie auch altmodische Maßnahmen wie Isolation und Quarantäne denkbar. "Wir müssen die Menschen darüber informieren, was unsere ersten Schritte sein werden, warum sie notwendig sind und was zu tun ist, um die Störung des öffentlichen Lebens zu minimieren."
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