Das schwedisch-finnische Wissenschaftlerteam um Tiia Anttila vom Karolinska-Institut in Stockholm untersuchte etwa 1000 Freiwillige, die Mitte der siebziger Jahre mit einem Durchschnittsalter von 48 an einer Studie zum Thema Altern und Demenz teilgenommen hatten. Nach dem Alkoholkonsum, den die Teilnehmer bei der Befragung angegeben hatten, wurden sie in drei Kategorien eingeteilt: abstinent, seltener Alkoholgenuss und häufiger Alkoholgenuss.
Rund 20 Jahre später, 1998, befragten die Wissenschaftler die Gruppe erneut, diesmal nach Gesundheitsstand und medizinischer Versorgung. Außerdem führten die Forscher einen Test zur geistigen Leistungsfähigkeit der Probanden durch. Die Ergebnisse, die das Forscherteam in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "British Medical Journal" veröffentlichten, überraschen: Sie fanden ein deutlich erhöhtes Risiko für eine geistige Beeinträchtigung im Alter sowohl bei den Teilnehmern, die in der Vergangenheit häufig getrunken hatten, als auch bei denen, die Alkohol überhaupt nicht anrührten.
Am besten für die geistige Leistungsfähigkeit war demnach der seltene Alkoholkonsum, ergab die Auswertung der Daten: Bei Probanden, die in der Vergangenheit maximal einmal im Monat Alkohol zu sich genommen hatten, fanden die Forscher nur etwa halb so häufig geistige Beeinträchtigungen wie in den anderen beiden Gruppen.
Anders verhielt es sich jedoch mit dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken: Hier hatte der Alkoholkonsum keinen Einfluss auf die Häufigkeit. Lediglich bei Probanden mit einer bestimmten genetischen Veranlagung stieg das Risiko für eine Demenzerkrankung mit der Alkoholmenge an.
Warum ein Gläschen Alkohol hin und wieder einen positiven Einfluss auf die geistigen Fähigkeiten im Alter hat, können die Wissenschaftler nicht sagen. Möglicherweise spiegeln die Trinkgewohnheiten auch nur bestimmte Lebensumstände wider, die sich günstig auswirken, vermuten sie. "Wir möchten daher auf keinen Fall die Menschen dazu ermutigen, mehr Alkohol zu trinken, weil sie glauben, sie würden sich damit vor Demenz schützen", schreiben Anttila und ihre Kollegen.
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