Vor zwei Jahren haben die Niederlande als erster Staat weltweit die Sterbehilfe legalisiert - und eine internationale Ethik-Debatte ausgelöst. Die Diskussionen dürften nun erneut aufflammen: Ärzte aller acht holländischen Universitätskliniken haben in einem öffentlichen Schreiben verlangt, die Möglichkeit der Sterbehilfe auf Neugeborene mit schwersten Missbildungen auszuweiten. Die Regierung in Den Haag werde sich in den nächsten Monaten mit dem Thema befassen, berichtet die britische BBC.
Die Mediziner der Unikliniken schlagen demnach die Einrichtung eines Expertenkomitees vor, das die Sterbehilfe für Neugeborene in jedem Einzelfall prüfen soll. Die Kriterien würden dem Bericht zufolge auf jährlich 600 Fälle weltweit und zehn bis 15 Babys in den Niederlanden zutreffen, die mit extremen Missbildungen - etwa ohne Gehirn - zur Welt gekommen sind. Bisher kommt aktive Sterbehilfe nach niederländischem Recht nur für Menschen ab 16 Jahren in Frage, in Ausnahmefällen ab zwölf Jahren.
Allerdings bestehen erhebliche Zweifel, ob die Regelungen des Euthanasiegesetzes in Holland von Medizinern befolgt werden. Eine Studie der niederländischen Regierung kam zu haarsträubenden Ergebnissen: In 38 Prozent der Fälle töten Ärzte demnach nicht nur, weil der Patient unheilbar krank ist und keinen Lebenswillen mehr besitzt - sondern auch, weil "die Nächsten es nicht mehr ertragen" können.
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