Bei den Funden aus dem Norden Äthiopiens handelt es sich um die erst seit 1994 bekannte Hominiden-Spezies Ardipithecus ramidus, die noch stark affenähnliche Züge aufwies. Das haben Analysen der versteinerten Zähne und Kieferknochen ergeben, berichten Forscher aus den USA und Spanien im Wissenschaftsmagazin "Nature".
"Das ist eine sehr wichtige Entdeckung, weil sie bestätigt, dass Hominiden vor 4,5 Millionen Jahren definitiv aufrecht gingen", sagte Sileshi Semaw von der Indiana University in Bloomington gegenüber der britischen BBC.
Die Wissenschaftler datierten das in den Fossilien eingeschlossene vulkanische Material mithilfe der so genannten Argon-Isotopenanalyse. Dabei bestimmten die Forscher das Verhältnis von zerfallenem zu nicht zerfallenem Argon und berechneten über die Halbwertszeit des Isotops das Alter der Probe.
Das Alter von 4,3 bis 4,5 Millionen Jahren, die großen, spitzen oberen Eckzähne, die kleinen vorderen Backenzähne, der dicke Zahnschmelz und der V-förmige Kiefer identifizierten die fossilen Funde eindeutig als Ardipithecus ramidus, schreiben die Forscher.
Kleiner als "Lucy"
Einige Skelettfragmente deuten darauf hin, dass der Ardipithecus ramidus noch kleiner war als der Australopithecus afarensis, der vor etwa vier bis 2,7 Millionen Jahren in Ostafrika gelebt haben dürfte. Die berühmteste Vertreterin dieser Spezies ist die rund 110 Zentimeter große "Lucy", deren Knochen 1974 bei Hadar in Äthiopien geborgen wurden.
Das erste Mitglied der Gattung Ardipithecus ramidus, was übersetzt "an der Wurzel stehender Bodenaffe" bedeutet, wurde 1992 bei Aramis in Äthiopien entdeckt. Weitere Funde in Kenia und Tschad folgten. Nur wenig ist bisher bekannt über die Lebensweise dieses Mensch-Vorfahren und über die Umwelt, in der er lebte.
Semaw und seine Kollegen fanden Hinweise, dass er in einem feuchten Gebiet lebte, Seite an Seite mit Antilopen, Nashörnern, Affen, Giraffen und Nilpferden. Auch Wälder und Graslandschaften könnten zu den Lebensräumen des Ardipithecus ramidus gehört haben. Größe und Abnutzungsgrad der Zähne lassen darauf schließen, dass er sich hauptsächlich von pflanzlicher Kost ernährte.
Hinweise für aufrechten Gang
Von den früheren Funden ist bekannt, dass der Kopf des Ardipithecus ramidus direkt über der Wirbelsäule saß und nicht, wie bei Affen, weiter vorn. Das könnte diese Hominiden befähigt haben, aufrecht zu gehen, nicht auf allen Vieren.
Der zumindest kurzzeitig aufrechte Gang half ihm beim Tragen von Früchten und bei der Verteidigung gegen Raubtiere, vermuten Wissenschaftler. Obwohl er zu den Vorfahren des Menschen gezählt wird, glich Ardipithecus ramidus äußerlich wohl eher einem Schimpansen.
"Die Periode des späten Miozäns und des frühen Pliozäns ist wichtig, da sich etwa in dieser Zeit die Vorfahren des modernen Menschen und der heutigen Schimpansen trennten", sagte Mark Weiss von der amerikanischen National Science Foundation, die das Projekt in Äthiopien mitfinanziert hat. "Jedes neue Fossil verrät uns ein wenig mehr über die Geschichte dieser frühen Phasen der menschlichen Entwicklung."
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