London - Alkohol ist einer internationalen Untersuchung zufolge für vier Prozent der weltweiten Gesundheitsprobleme verantwortlich, Tabak für 4,1 Prozent. "Alkohol steht ursächlich mit mehr als 60 verschiedenen Leiden in Verbindung, darunter Brustkrebs und Herzkrankheiten", schreiben Robin Room von der Universität Stockholm und Kollegen aus Kanada und den USA in einer umfangreichen Analyse in der 365. Ausgabe des britischen Medizinjournal "The Lancet". "In den meisten Fällen ist Alkohol der Gesundheit abträglich."
Die Forscher betonen, dass schon geringfügig höhere Preise einen beträchtlichen Teil der Krankheiten und Todesfälle verhindern könnten. Am Beispiel Großbritannien schätzen die Forscher, dass eine Preiserhöhung um zehn Prozent die Zahl der Alkoholtoten unter Frauen um 29 Prozent, unter Männern gar um 37 Prozent reduzieren könnte.
Zugleich üben Room und seine Kollegen scharfe Kritik am Verhalten der Regierungen. "Zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Wirksamkeit von Alkohol-Kontrollmaßnahmen und der Politik der meisten Regierungen herrscht ein starker Kontrast", sagte Room. "Die Interessen der Alkoholindustrie haben vielerorts geradezu politischen Vetocharakter und sorgen dafür, dass der Schwerpunkt auf ineffektiven Strategien wie Aufklärung liegt."
Während Tabak und Arzneimittel immer restriktiver behandelt würden, gelte Alkohol nach wie vor als Alltagsprodukt. Angesichts der zunehmenden Globalisierung der Märkte sei Alkoholpolitik nicht länger eine rein nationale Angelegenheit. Der Mediziner fordert daher ein internationales Alkohol-Abkommen nach dem Vorbild der Anti-Tabakkonvention der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
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