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Amerikas Heldin der Lüfte Neue Suche nach Earharts nassem Grab

3. Teil: Spionageflug und feindlicher Beschuss? Wie Earharts Verschwinden Verschwörungstheoretiker auf den Plan rief

Linda Finch mit einer Lockheed Electra im März 1997: Weltumrundung auf Earharts Spuren
AP

Linda Finch mit einer Lockheed Electra im März 1997: Weltumrundung auf Earharts Spuren

Alles Suchen war aber umsonst. Nicht einmal Trümmer oder das Schlauchboot wurden in der Wasserwüste gefunden. Die Crew der Electra musste tot sein. Und plötzlich nahmen auch im Pazifik die politischen Spannungen dramatisch zu, weil am 7. Juli der japanisch-chinesische Krieg begann.

Roosevelt hielt die Pazifikflotte an, trotzdem zwei Wochen lang nach Earhart suchen. Er war erschüttert, und noch mehr trauerte seine Frau Eleanor.

Die populäre Präsidentengattin war von Amelia Earhart tief beeindruckt. Sie sah verblüffende Ähnlichkeiten mit ihr. Beide waren Töchter alkoholabhängiger Väter, und beide waren sie bei den Großeltern aufgewachsen. Vor allem aber schätzte Eleanor Roosevelt tatkräftige Frauen. Amelia, die sich im Männer-Metier der Cockpits und Steuerknüppel bewährte, verkörperte für sie die Unabhängigkeit der Amerikanerinnen.

Es war Eleanor Roosevelt, die Amelia nach dem Solo-Flug über den Atlantik ein Glückwunschtelegramm sandte. Sie widmete ihr ein Gedicht mit der Überschrift "Mut ist ihr Preis", und sie hatte ein gerahmtes Earhart-Foto im Wohnzimmer des Weißen Hauses stehen. Einmal nahm Eleanor an einem Nachtflug mit Amelia teil und war dermaßen elektrisiert, dass sie bei ihr Flugunterricht nehmen wollte, was der Präsident aber nicht zuließ - "da ich mir selbst kein Flugzeug leisten kann", so Eleanor.

Verschwörungstheorien um Earharts Verschwinden

Der letzte Akt des Dramas in den pazifischen Gewässern beschäftigt Earhart-Fans mit dem Ehrgeiz von Bibelforschern. Bücher mit Titeln wie "Earhart - überlebt" oder "Amelia Earhart - das Rätsel gelöst" sind in den letzten Jahren erschienen - und auch die Biographie der Autorin Susan Ware: "Vermisst: Amelia Earhart und die Suche nach dem modernen Feminismus".

Zu den schlichteren Annahmen gehört, dass Earhart auf einem Atoll notgelandet sei und bis zu ihrem Tod mit einem Fischer zusammenlebte. Verschwörungstheoretiker behaupten, sie sei von japanischen Soldaten gefangen genommen und verschleppt worden. Eine Denkschule geht davon aus, dass sie Kaiser Hirohito als Mätresse dienen musste.

Amelia Earhart sei ein Verhandlungs-Chip beim Waffenstillstand mit dem imperialen Japan gewesen und dann in die USA gebracht worden. Dort habe sie unter dem Namen Irene Craigmile eine neue Identität und unter Chirurgenmessern ein neues Gesicht erhalten. In New Jersey sei sie 1982 gestorben, so geht eine der Verschwörungsvarianten.

Satellitenbild vom Nikumaroro-Atoll: Ist Earhart in der Nähe der Insel abgestürzt?
REUTERS/ Space Imaging

Satellitenbild vom Nikumaroro-Atoll: Ist Earhart in der Nähe der Insel abgestürzt?

Am schillerndsten ist die These eines Spionageflugs. Danach bog Earhart nach ihrem ersten Funkspruch bei der Salomonen-Insel Nukumanu in Richtung Nordwesten ab und flog zu den Truk-Inseln auf den Carolinen, dem heutigen Mikronesien. Die Carolinen wurden damals von Japan verwaltet. Amerikanische Schiffe durften dort nicht anlegen. Über Truk sei Earhart ostwärts zum Jaluit-Atoll auf den Marshall-Inseln eingeschwenkt, einem Anlegeplatz japanischer Kriegsschiffe, um schließlich nach Howland zu fliegen.

Die U.S. Navy hegte den Verdacht, dass die Japaner auf Truk einen "Gonk" (deutsch: Marinestützpunkt) aufbauten - als Ausgangsbasis für die mögliche Eroberung von Hawaii. Verdächtig war auch, dass die Mandatsmacht Japan in Berichten für den Völkerbund in Genf einmal den Import von 3,8 Millionen Tonnen Reis angab - weitaus zu viel für die kleine Bevölkerung von Truk und den Carolinen.

Von japanischen Kriegsschiffen abgeschossen?

Tatsächlich benutzten dann während des Kriegs im Pazifik die japanischen Schlachtschiffe "Yamato" und "Musashi" das Truk-Atoll - die größten Schlachtschiffe, die jemals gebaut wurden, bestückt mit Kanonen des Kalibers 48 Zentimeter. Earhart sei über Truk entweder abgeschossen oder zur Landung gezwungen worden - und dann, so geht die Spionage-Story weiter, nach Saipan in der Kette der Marianen-Inseln verbracht worden.

Ein katholischer Priester habe dort von Inselbewohnerinnen berichtet, die sich an eine Ausländerin erinnerten. Sie habe "kurze Haare" getragen und "wohlriechendes Balsam" verschenkt - ein Hinweis womöglich auf das Riechsalz, das Earhart auf Langstreckenflügen benutzte, um wach zu bleiben. Hollywood wiederum schlug schon 1943 auf seine Weise eine Schneise durch das Dickicht - mit dem Film "Flight for Freedom". In ihm hat sich Earhart absichtlich bei den japanischen Mandatsinseln verflogen, um der US-Marine den Vorwand zu liefern, auf der Suche nach ihr in der Sperrzone aufkreuzen zu können.

Seriös sind dagegen Versuche, das Wrack der Electra an jenem Ort zu suchen, wo auch schon die Flugzeuge des Schlachtschiffs Colorado nachforschten: auf dem unbewohnten Eiland Nikumaroro in der Gruppe der Phoenix-Inseln.

Dort hat die Organisation Tighar ("The International Group for Historic Aircraft Recovery") zuletzt im Juli und August 2003 eine Expedition veranstaltet. Der Grund: Fischer hatten in einem Gürtel von Korallenriffen das Wrack eines Flugzeugs gesehen. Aufnahmen des Satelliten Ikonos 2, der ironischerweise gleichfalls bei Lockheed entstand, legten wegen einer Rotverfärbung an der Stelle zumindest den Verdacht auf ein großes metallisches Objekt nahe.

US-Flugzeugträger "Lexington" vor der Küste Virginias am 29. April 1930: Groß angelegte Suchaktion blieb ohne Ergebnis
AP

US-Flugzeugträger "Lexington" vor der Küste Virginias am 29. April 1930: Groß angelegte Suchaktion blieb ohne Ergebnis

Als die Electra-Späher nachsahen, war das Objekt aber nicht da. Wahrscheinlich sei es bei einem Sturm von hohen Wellen weggerissen worden, vermuten die Tighar-Leute. Dafür entdeckte der Suchtrupp eine Kabelabdeckung, die aus der Kabine eines Flugzeugs stammt. Ob aus Earharts Electra, ist aber nicht richtig nachweisbar: Kabelabdeckungen galten bei Lockheed als Teil der Innenausstattung und fehlten auf den originalen Blaupausen, sind also nur schwerlich abzugleichen.

Auch das Foto einer zerschellten Propellermaschine unter Palmen brachte Tighar bisher nicht weiter. Es war vom Matrosen eines englischen U-Boot-Versorgers gemacht worden, dessen Mannschaften auf einer kleinen Insel Sand in Säcke füllen mussten. Mit dem Sand sollte Feuer im Maschinenraum von Unterseebooten bekämpft werden. Wenigstens bestätigten Botaniker des Smithonian Museum of Natural History, dass es sich bei den Palmen, die das Wrack umstehen, um solche aus der Südsee handelt.

David Jourdan von Nauticos wäre es ganz recht gewesen, wenn Tighar das Rätsel hätte lösen können. "Mehrere Millionen Dollar wären mir erspart geblieben", meint er mit Blick auf die Konkurrenz. So aber fährt er mit dem Forschungsschiff "Mount Mitchell" wieder aus, um westlich von Howland endlich fündig zu werden.

Hilfe von Experten

Die Indizien sprechen durchaus für ihn. Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology waren mit Expertisen über Earharts Treibstoffreserven behilflich. Und Elektroniker der Firma Rockwell untersuchten die historischen Funkdaten und ermittelten so die Distanz der Electra zur Insel. Offenbar flog Amelia ein Suchmuster und folgte dabei der Linie, die sie in ihrem letzten Funkspruch nannte.

Sie versuchte herauszufinden, wann die Peilsignale der Itasca sich in ihrem Kopfhörer abschwächten. Das wäre der Hinweis darauf gewesen, dass sie sich von dem Kutter entfernte. Sie musste in diesem Fall umdrehen und auf Gegenkurs gehen, um den Sender und Howland zu finden. Doch leider war Howland auf ihrer Karte etwa zehn Kilometer versetzt eingetragen. Richtig platziert war das Atoll auf den Karten der Kriegsmarine, was Amelia aber nicht wusste.

Wenn Jourdan das Wrack diesmal findet, soll es später gehoben, mit großem Aufwand wiederhergestellt und auf einem großen Lastkahn präsentiert werden. Dazu soll eine Ausstellung das Rätsel und das Leben von Amelia Earhart darstellen - und ihr Sterben, möchte man der Vollständigkeit halber hinzufügen.

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