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16.02.2005
 

Recycling

Schöner schreiben auf Känguru-Mist

Es müssen nicht immer Bäume sterben, wenn Menschen schreiben wollen. Es geht auch anders, wie eine australische Firma jetzt bewiesen hat: Sie produziert Papier aus Känguru-Mist.

Kangurus: Duftende Hinterlassenschaften dienen als Papier-Rohstoff
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ATC

Kangurus: Duftende Hinterlassenschaften dienen als Papier-Rohstoff

Es gibt Prädikate, die tiefes Vertrauen einflößen. Wie zum Beispiel "Genuine Kangaroo Poo", zu Deutsch etwa: "Echte Känguru-Kacke". Klingt wie ein Qualitätshinweis für australische Landwirte, die im ausgedörrten Outback mit den dampfenden Hinterlassenschaften sprungstarker Säuger was auch immer sprießen lassen wollen.

Ist es aber nicht.

Das Produkt der Firma mit dem treffenden Namen "Creative Paper Tasmania" ist eher für ökologisch gesinnte Bildungsbürger in den Metropolen des fünften Kontinents gedacht. Es ist: Papier, leicht bräunlich natürlich. 25 Kilogramm Mist von Kängurus und den kleineren Wallabys sind in die ersten 400 A4-Blätter des faserigen Schreibmaterials geflossen.

Um den "Innovationssprung" (O-Ton Creative Paper Tasmania) zu ermöglichen, mussten sich tasmanische Bauern die Finger schmutzig machen und Kängurumist scheffeln. Das aber, betonte Firmenmanagerin Joanne Gair, könnte erst der Anfang sein. "Wenn wir im größeren Stil fertigen wollen, brauchen wir noch etwas Unterstützung." Mindestens 100 bis 200 Kilogramm Kängurumist, unter Australiern auch liebevoll "Roo Poo" genannt, müssten schon zusammenkommen, um der Innovation zum Sprung in eine erfolgreiche Zukunft zu verhelfen.

Gair ist überzeugt, dass das Produkt seinen Weg machen wird. "Es ist ein großartiger Artikel für Touristen, übermittelt aber auch gut unsere ökologische Botschaft." Besonders praktisch: Der so genannte Faseraufschluss, bei dem pflanzliche Fasern vom Stängel getrennt werden, wird im Darm der Lieferanten erledigt. "Die meiste Arbeit ist damit bereits getan", frohlockt die Managerin.

Die Idee für das Känguru-Papier sei ihr übrigens bei der Lektüre eines Zeitungsartikels über Afrika gekommen. "Dort stand, dass Papier aus Elefantendung als Produkt für Touristen ein Riesenerfolg ist." Damit nicht genug: Selbst im hohen Norden seien die Ausscheidungen der ortsansässigen Fauna ein beliebter Rohstoff für menschliche Kommunikationsmittel. "Für die meisten Büros in Skandinavien ist Papier aus Elchmist das Produkt der Wahl", betont Gair. "Deshalb dachte ich mir, wir sollten ein tasmanisches Papier aus Kängurumist haben."

Das "Poo Paper" soll in der "Innovationswoche" offiziell vorgestellt werden, die Mitte Mai auf der Insel Tasmanien stattfindet - vorausgesetzt, es finden sich genügend Mistsammler. "Derzeit haben wir Schwierigkeiten, ausreichende Mistmengen zu bekommen", räumt Gair ein. Sie hofft, dass die Gemeinde mit der Zeit genügend Sammelenthusiasmus entwickelt und die Fundstücke zuhauf abliefert - am besten natürlich in recycelten Plastiktüten. "Neuen oder alten Mist", sagt Gair, "wir nehmen alles."

Markus Becker

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