Beängstigende Bohrgeräusche im Wartezimmer des Zahnarztes könnten bald der Vergangenheit angehören. Zumindest im Frühstadium von Karies könnte das lästige Bohren in Zukunft überflüssig werden. Japanische Forscher haben einen künstlichen Zahnschmelz entwickelt, mit dem sich kleine Löcher auch ohne die manchmal schmerzhafte Prozedur füllen lassen.
Mit der weißen Paste ließen sich kleine Löcher schnell reparieren, schreiben die Forscher um Kazue Yamagishi vom Dental Institute in Tokio in der heutigen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" (Bd. 433, S. 819). Chemisch und strukturell ähnle sie dem natürlichen Zahnschmelz. Auf den Zahn aufgetragen füge sie sich durch sogenanntes nanokristallines Wachstum optimal in den natürlichen Zahnschmelz ein. Bereits nach 15 Minuten Einwirkzeit ließen sich im Transmissions-Elektronenmikroskop keine Lücken in der Oberfläche des Zahns mehr erkennen, schreiben die Forscher weiter.
Den menschlichen Zahn überzieht ein etwa zwei Millimeter dicker Schmelz, der aus Kristallen besteht, sogenannten Kalksalzen. Säurebildende Bakterien greifen diese natürliche Schutzhülle an, es entstehen Löcher, die zunächst weniger als 50 Mikrometer (ein Mikrometer ist ein Tausendstel Millimeter) tief sind. Bislang wurden auch kleine Schadstellen im Zahn zunächst ausgebohrt und dann zum Beispiel mit Amalgam gefüllt. So müsse eine unverhältnismäßig große Menge der gesunden Zahnsubstanz entfernt werden, kritisieren die Wissenschaftler. Bei der Behandlung mit ihrer Paste könne dies vermieden werden.
Ein weiterer Vorteil des künstlichen Zahnschmelzes liege in seiner langen Haltbarkeit. Außerdem schütze er den Zahn auch in Zukunft vor Kariesbefall, indem er die natürliche Glasur stärke.
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