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04.03.2005
 

Hirn-Analyse

Rätsel um indonesische Hobbits gelöst?

Die uralten Knochen winziger Menschen, die 2003 in Indonesien entdeckt wurden, haben unter Forschern heftigen Streit ausgelöst. Handelt es sich um eine bisher unbekannte Urmenschen-Spezies oder nur um einen besonders kleinen Homo sapiens? Eine neue Studie könnte jetzt die Lösung bringen.

Schädel-Hirn-Modell des Homo floresiensis: Mischung aus Australopithecus und Homo erectus
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Washington University

Schädel-Hirn-Modell des Homo floresiensis: Mischung aus Australopithecus und Homo erectus

Dass auch Zwerge riesenhaften Ärger machen können, beweist kaum etwas so gut wie die Knochen, die 2003 in einer Höhle auf der indonesischen Insel Flores gefunden wurden. Die australischen Entdecker glauben an eine bisher unbekannte Spezies - und nannten sie Homo floresiensis. Ein Frühmensch von nur einem Meter Körpergröße, der bis vor etwa 18.000 Jahren in Indonesien hauste: Eine wissenschaftliche Sensation, denn zu jener Zeit gab es auch schon den modernen Menschen.

Seit die Knochen 2004 im Fachblatt "Nature" der Welt präsentiert wurden, reiht sich eine Untersuchung an die andere. Dabei entwickelte sich weit mehr als ein angeregter Meinungsaustausch unter Fachleuten: Die Entdecker fühlen sich um ihren Fund betrogen, weil sie an den Analysen nicht mehr beteiligt werden. Zugleich behaupten mehrere Experten öffentlich, dass die Knochen nicht etwa von einer neuen Spezies, sondern von einem besonders klein geratenen, ansonsten aber modernen Menschen stammen.

Hirnform erinnert an Homo erectus

Wissenschaftler aus den USA, Australien und Indonesien glauben nun, einen Schlussstrich unter die Debatte ziehen zu können - zumindest was deren wissenschaftlichen Teil betrifft. In der Online-Ausgabe des Fachmagazins "Science" schreibt das Team um Dean Falk von der Florida State University, dass das auf Flores gefundene Wesen wohl kein moderner Mensch von zwergenhaftem Wuchs sei, sondern tatsächlich einer neuen Art angehöre.

Schädel von Homo floresiensis (links) und Homo sapiens: Evolution oder Krankheit?
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Peter Brown

Schädel von Homo floresiensis (links) und Homo sapiens: Evolution oder Krankheit?

Falk und seine Kollegen haben einen dreidimensionalen Schädel-Innenabguss des Homo floresiensis am Computer erstellt und ihn mit verschiedenen anderen Hirnabdrücken verglichen, unter anderem von großen Affen, dem Homo erectus, dem Australopithecus africanus und dem Homo sapiens. Sie zogen zudem Vergleichsmodelle eines Pygmäen und eines Menschen mit krankhaft verkleinertem Hirn heran.

Das Fazit der Anthropologen: Im Verhältnis von Körper- zu Hirngröße gleicht der "Hobbit-Mensch" am ehesten dem Australopithecus, die Form seines Hirns erinnert jedoch am stärksten derjenigen von Homo erectus. Allerdings zeige das Gehirn von Homo floresiensis auch einige Auffälligkeiten, zum Beispiel einen deutlich erweiterten Schläfenlappen. Dieses Merkmal passt nach Ansicht der Autoren zu der Hypothese, dass diese Frühmenschenspezies trotz des recht kleinen Hirns bereits in der Lage war, höhere geistige Leistungen zu vollbringen.

Gab es einen unbekannten Vorfahren?

Das australische Archäologe Mike Morwood von der University of New England, unter dessen Leitung die Knochen 2003 entdeckt wurden, wird das gern hören. Seine Gegner hatten ihre Zweifel am Homo floresiensis unter anderem damit begründet, dass die bei den Skeletten gefundenen Werkzeuge von einer fortschrittlichen Technik zeugten. Die Hobbits aber, deren Hirn nur ein Viertel der Masse eines Homo-sapiens-Denkorgans besaß, hätten diese Werkzeuge kaum fertigen können.

"Unsere Daten zeigen, dass das hoch entwickelte Gehirn dieses Exemplars keine Miniatur-Version des Hirns eines Homo sapiens oder eines Homo erectus sein kann", schreiben Falk und seine Kollegen in "Science". Eine mögliche Hypothese sei, dass Homo erectus und Homo floresiensis einen gemeinsamen, bisher unbekannten Vorfahren hatten - "einen kleinwüchsigen Hominiden mit kleinem Hirn".

Liang-Bua-Höhle auf Flores: Fundort der "Hobbits"
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Mike Morwood

Liang-Bua-Höhle auf Flores: Fundort der "Hobbits"

Die endgültige Entscheidung darüber, welcher Spezies der indonesische Mini-Mensch nun angehört, wird aber womöglich ausgerechnet in Deutschland fallen. Denn die begehrten Knochen sind schon längst nicht mehr im Besitz ihrer ursprünglichen Entdecker, sondern ihres Rivalen, dem indonesischen Paläoanthropologen Teuku Jacob. Der hat unter anderem dem Leipziger Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie ein kleines Scheibchen einer Hobbit-Rippe für eine DNS-Analyse zur Verfügung gestellt.

Jacob hatte Zeitungsberichten zufolge seine Beziehungen genutzt, um das Skelett in sein eigenes Labor an der Gadjah-Mada-Universität in Yogyakarta schaffen zu lassen. Morwood, der sich um seinen Fund gebracht fühlt, bezeichnete es als "unmoralisch" und "illegal", dass Jacob - der den Homo floresiensis für einen modernen Menschen mit Schrumpfkopf hält - Forscherteams zur Analyse der Knochen eingeladen hat und Proben in alle Welt verschickt.

Ob der DNS-Test den Forscherstreit entscheidet, ist keinesfalls sicher. Denn die Chance, in der alten Rippe intaktes Erbgut zu finden, liege unter 50 Prozent, sagte Svante Pääbo vom MPI der "Süddeutschen Zeitung". Sollte aber eine DNS-Sequenz greifbar sein und sich deutlich vom entsprechenden Erbgut des Homo sapiens unterscheiden, könne man sicher sein, dass der Hobbit kein moderner Mensch sei.

Und selbst wenn die Analyse ergäbe, dass der Mini-Mensch doch nur ein schnöder Homo sapiens ist, könnten die Freunde des Homo floresiensis weiter der These einer neuen Spezies anhängen. Denn die Rippen-Probe, glaubt Pääbo, könne durchaus auch mit DNS kontaminiert sein, die modernen Wissenschaftlern gehört.

Markus Becker

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