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09.03.2005
 

Wein

Erste Winzer stellen auf Glaskorken um

Der Korken bekommt ernst zu nehmende Konkurrenz: Sie ist zweieinhalb Zentimeter lang, aus Glas und hat die Form eines Pfropfens. Winzer loben die Sicherheit des Verschlusses, dem allerdings die Erotik eines ploppenden Korken fehlt.

Vino-Lok-Verschluss: Schluss mit Geruch nach modrigem Keller
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Vino-Lok-Verschluss: Schluss mit Geruch nach modrigem Keller

Düsseldorf - Vino-Lok, so heißt der neue Weinflaschenverschluss, scheint Unmögliches möglich zu machen. Er ist geschmacksneutral, praktisch und zudem schick. Vom Naturkorken haben nämlich viele Winzer die Nase voll. Im Durchschnitt macht er mindestens fünf Prozent aller Flaschen mit dem Geruch nach modrigem Keller und nassem Karton ungenießbar. Und die bisherigen Alternativen - Schraubverschluss oder Kronkorken - kommen bei der Masse der Weintrinker nicht an.

Bei der Düsseldorfer "Pro-Wein", einer der weltweit größten Wein-Messen, gab nun das nach eigenen Angaben "wahrscheinlich älteste Weingut der Welt", Schloss Vollrads im Rheingau, bekannt, dass künftig die Hälfte der Produktion mit Vino-Lok verstöpselt wird - dieses Jahr immerhin rund 150.000 Flaschen. Und je nachdem, wie die Kunden reagieren, könnte der Anteil noch steigen. "Im November 2004 war Produktionsstart, und seither haben mehr als 150 Winzer aus Europa, Australien und Südafrika teilweise oder ganz umgestellt", berichtet Thomas Strieder, Projektleiter bei Alcoa Closure Systems International, dem Hersteller des Glasstopfens.

Der US-amerikanische Konzern ist spezialisiert auf Aluminiumprodukte und Marktführer im Bereich Getränkeverschlüsse. Der Pfropfen wird in Worms, der deutschen Niederlassung des Unternehmens, gefertigt. Fünf Millionen Euro und drei Jahre Entwicklungsarbeit wurden laut Strieder in das neue Produkt investiert. Nach Ansicht der Stiftung Innovation in Bochum hat es sich gelohnt: Ebenfalls auf der "Pro-Wein" zeichnete die Fördereinrichtung den Glasverschluss für Weinflaschen mit ihrem Innovationspreis, dem "Ei des Columbus", aus.

Glaskorken: Geschützt durch Plastikkappe
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Glaskorken: Geschützt durch Plastikkappe

Hans-Josef Becker aus Walluf im Rheingau zählt zu den Glasstöpsel-Pionieren: 2003 beteiligte er sich an einer Testreihe, dieses Jahr wird er weltweit der einzige Winzer sein, der seine gesamte Ernte damit abfüllt - Rieslinge wie auch Spätburgunder, vom Qualitätswein bis zur Trockenbeerenauslese. Abgesehen vom großen Korkschmecker haben ihm die subtileren Fehltöne, die seiner Meinung nach in jedem dritten Glas auftauchen, mehr und mehr gestunken. "Der Kronkorken gehört aufs Bier, der Schraubverschluss auf die Wasserflasche", sagt der 59-Jährige zu den Alternativen. Vino-Lok werde dagegen 100-prozentig von seiner Kundschaft akzeptiert.

Statt "Plopp" ein leises "Klick"

Auf seiner umgerüsteten Abfüllanlage wird den befüllten Flaschen erst der Stöpsel von Hand aufgedrückt, dann stülpt die Maschine eine Aluminiumkappe darüber, die mit einem Sicherungsring unter einer Ausbuchtung am Flaschenhals fixiert wird. Sie drückt den Stopfen auf die Flasche, schützt vor Beschädigung und stellt sicher, dass man es erkennen kann, wenn die Flasche geöffnet wurde. Die Kappe lässt sich ähnlich wie ein Schraubverschluss mit einem Dreh öffnen. Ein leichter Druck mit dem Daumen am Glaspfropfen genügt anschließend, um ihn aus dem Flaschenhals zu lösen. Statt "Plopp" wie beim Korken macht es leise "Klick".

Ein ähnliches Geräusch war im Dezember 2001 wahrscheinlich im Gehirn von Karl Matheis zu hören. Als sich seine Nachbarn mal wieder über Korkgeschmack ärgerten, fragte sich der Arzt aus Alzey in Rheinhessen: "Warum nicht Glas nehmen?" An Infusionsflaschen dachte er dabei, die auch eine Kappe aus Aluminium haben. Mit dieser Vorstellung marschierte Matheis zu Alcoa. Die dortigen Ingenieure legten noch einen Dichtungsring um den Teil des Stöpsels, der im Flaschenhals steckt. Er besteht aus dem gleichen Kunststoff, der in den Schraubdeckeln steckt, die wiederum seit mehr als 30 Jahren mit guten Erfahrungen im Einsatz sind.

Vino-Lok-Verschluss: Erotik des "Plopps" fehlt
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Vino-Lok-Verschluss: Erotik des "Plopps" fehlt

Sven Ellwanger aus Weinstadt in Württemberg hat kürzlich 100.000 Stück davon bestellt. Seine besseren Weine vom Jahrgang 2004 wird der 30-Jährige damit verschließen. Die Stopfen sind mit etwa 35 Cent pro Stück zwar rund zehn Cent teurer als Korken. "Aber für mich ist die Produktsicherheit wichtig, die ist mit Naturkork einfach nicht gegeben", erklärt er. Wein machen sei ein langwieriger Prozess, und wenn man Pech habe, mache der letzte Schritt alles kaputt. Auch ihn stören die kleinen Veränderungen, wenn der Wein plötzlich dumpf, bitter, fruchtlos oder muffig schmeckt. Dass dies am Kork liegt, wissen die meisten Kunden nicht, sie kaufen eben woanders ein.

Doch nicht alle Winzer teilen die Euphorie. Die meisten wollen erst einmal abwarten. Denn natürlich weiß niemand, wie sich der Verschluss über 25 Jahre und länger bewährt. Zur Gasdichtigkeit des Kunstoffringes und der Oxidationsbelastung der Weine läuft an der Weinbau-Forschungsanstalt in Geisenheim derzeit eine Versuchsreihe, im Juli sollen Ergebnisse vorliegen. "Der Verschluss ist nicht besser als andere", findet schon jetzt Rainer Jung, der zuständige Wissenschaftler vom Fachgebiet Kellerwirtschaft.

Kronkorken oder Schraubverschluss seien eigentlich die vernünftigste Lösung - darunter reife der Wein langsamer und in jeder Flasche gleich. "Aber die Metallteile leiden unter einem Billig-Image", sagt Jung. Für die meisten Weintrinker ist die Erotik des "Plopps" eben fast so wichtig wie der Flascheninhalt.

Kathrin Haasis, AP

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