Köln/Jakarta - Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn bezeichnete die Lieferung des Frühwarnsystems als Beweis der herausragenden technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands. "Diese Technologie ist verbunden mit einem vernünftigen und guten Qualifikationskonzept. Das hat Indonesien überzeugt und es zeigt sich, dass auch andere Länder Interesse daran haben", sagte Bulmahn heute im Deutschlandradio Kultur vor der Unterzeichnung der Vereinbarung mit Indonesien in Jakarta.
Das in Potsdam entwickelte Frühwarnsystem sei die am weitesten entwickelte Technologie. Mit ihr könne man deutlich früher und schneller Katastrophen erfassen und so mehr Menschenleben retten. Dies gelte nicht nur für Tsunamis, sondern auch für Erdbeben, Vulkanausbrüche und schwere Stürme.
Deutschland und Indonesien hätten eine Zusammenarbeit über fünf Jahre vereinbart, sagte Bulmahn. Innerhalb dieser Zeit solle das Frühwarnsystem aufgebaut werden. Hierzu gehörten verschiedene technologische Komponenten wie das Anbringen von Meeresbodenbojen und verschiedener Messgeräte. Langfristig könne es auch mit dem europäischen Satellitensystem verkoppelt werden. Die Gesamtkosten des Systems wurden auf rund 45 Millionen Euro beziffert. Die ersten Bojen sollen voraussichtlich Ende Oktober vor der indonesischen Küste ausgesetzt werden.
Nach den Worten Bulmahns haben sich neben Indonesien auch Sri Lanka und andere Länder rund um den Indischen Ozean an einer Zusammenarbeit mit Deutschland interessiert gezeigt.
Identifizierung der Tsunamiopfer dauert an
Die Identifizierung sämtlicher deutscher Tsunamiopfer in Südasien wird nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) noch mehrere Monate beanspruchen. Um "alle realistischen Chancen zur Identifizierung" zu nutzen, müssten die über 60 Experten der BKA-Identifizierungskommission weiter am Einsatzort im thailändischen Phuket bleiben, sagte der zuständige Leiter der BKA-Aufbauorganisation Südostasien, Werner Reuss. Die medizinische Untersuchung der bei der Flutwelle vor zweieinhalb Monaten getöteten Urlauber soll nach Angaben von Reuss "in ungefähr sechs bis acht Wochen abgeschlossen sein".
Am Freitag hatte das Auswärtige Amt die Zahl der identifizierten deutschen Opfer mit 217 angegeben. Die Zahl der vermissten Bundesbürger lag bei 433. Insgesamt waren bei dem von einem Seebeben ausgelösten Tsunami in Südasien am 26. Dezember vergangenen Jahres nach jüngsten Schätzungen rund 300.000 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon in Indonesien.
Insgesamt sind nach BKA-Angaben allein in Thailand rund 20 internationale Opfer-Identifizierungsteams dauerhaft tätig. Die Koordination "unter der Hoheit der thailändischen Behörden" sei "bemerkenswert schnell und gut gelungen", betonte Reuss. Angesichts der verheerenden Zerstörungen durch die Naturkatastrophe und die hohe Opferzahl sei die Arbeit für die Identifizierungskommission "die bisher größte Herausforderung".
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