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Intelligenzmessung Rückkehr der Rassenlehre

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil: Wie amerikanische Forscher auf die Studie reagieren - und was Arthur Jensen gegen die "drohende Verdummung" tun will ...

Um ihre These zu untermauern, zitieren Rushton und Jensen eine Reihe von Studien, darunter Vergleiche von getrennt aufgewachsenen Zwillingen, internationale IQ-Vergleiche, durchschnittliche Gehirngrößen und Reaktionszeiten. Für den Intelligenzforscher Aljoscha Neubauer keine sehr überzeugende Zusammenstellung: "Ich habe keine neuen Gesichtspunkte entdecken können."

Die Forscherelite geht auf die Barrikaden

In der gleichen Ausgabe von "Psychology, Public Policy, and Law" erscheinen vier Kommentare von Autoren aus der internationalen Crème dieses Forschungsgebietes – und drei davon sind höchst kritisch. Richard Nisbett von der University of Michigan etwa schreibt, der von Jensen und Rushton immer wieder zitierte Intelligenzunterschied zwischen Schwarzen und Weißen von über 15 IQ-Punkten sei eine "ernste Verzerrung": "Die besten Daten, die wir haben, zeigen, dass dieser Wert veraltet ist, und dass der IQ-Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen sich in den letzten Jahrzehnten beträchtlich verringert hat." Die vorliegenden Studien deuteten darauf hin, dass der genetische Beitrag zu diesem Unterschied "nahe Null" sei.

Entscheidend sei vor allem, dass "Rasse" als wissenschaftliche Kategorie kaum haltbar sei, schreiben Lisa Suzuki und Joshua Aronson on der New York University: "Von den 15.000 bis 20.000 Genpaaren, die es gibt, sind nur 6, oder 0,03 Prozent, mit der Hautfarbe verknüpft", so die Forscher.

US-Politiker Rice, Powell: "Bei sozial geschätzten Ergebnissen unterrepräsentiert"
AP

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Jensen und Rushton kleiden ihre Schlussfolgerung in wolkige Worte: "Letztlich muss die Öffentlichkeit die pragmatische Realität akzeptieren, dass manche Gruppen bei verschiedenen sozial geschätzten Ergebnissen über-, andere Gruppen unterrepräsentiert sein werden." In Wahrheit zielt diese Folgerung in eine konkrete Richtung: Die in den USA unter dem Sammelbegriff "affirmative action" zusammengefassten Unterstützungsmaßnahmen für Minderheiten sollen gekippt werden. Darunter fallen etwa spezielle College-Zugangswege für Schwarze, Fördermaßnahmen für Kinder aus armen Familien oder Bemühungen, auch Minderheiten in hochqualifizierte Berufe zu bringen.

Keine Fortschritte in den "Rassenbeziehungen"?

Wenn etwas genetisch bedingt ist, so die unterschwellige Botschaft von Jensen und Rushton, dann bringen auch solche Förderprogramme nichts. "Wir werden in den Rassenbeziehungen niemals Fortschritte machen, wenn wir von dem Glauben ausgehen, dass ein Teil der Gesellschaft für das Leiden eines anderen Teils verantwortlich ist, und dieser Glaube falsch ist", so eine zynische Anmerkung in ihrer Replik auf die Einwände der Kollegen.

Robert Sternberg, ein Veteran unter den US-Intelligenzforschern, geht in seinem Kommentar den wenig verschleierten politischen Wünschen von Jensen und Rushton auf den Grund - mit einem drastischen Vergleich: Deutschland und andere Staaten hätten nach dem zweiten Weltkrieg Entschädigungen an die Opfer des Holocaust gezahlt, schreibt Sternberg. "Diese Entschädigung hatte nichts mit dem IQ zu tun. (...) Sollten Afro-Amerikaner für die Sklaverei entschädigt werden? Das ist eine politische Frage, keine wissenschaftliche."

"Dysgenische Effekte" und die US-Regierung

Wes Geistes Kind er wirklich ist, demonstrierte Arthur Jensen im Jahr 1992 in einem Interview mit "American Renaissance" (AR), einer Rechtspostille, die sich selbst als "Amerikas führende Publikation rassisch-realistischen Gedankenguts" bezeichnet. Gegen Ende des Gesprächs kommen Jensen und der Interviewer auf "dysgenische Effekte" zu sprechen - gemeint ist die angeblich drohende Gefahr gesellschaftlicher Verdummung durch steigende Geburtenraten unter schwarzen Amerikanern. Jensen sagte, er glaube, "dass die Gesellschaft ein Recht darauf hat, sich vor Gefahren von Außen und von Innen zu schützen." Der Psychologe weiter: "Der dysgenische Effekt (...) könnte eines Tages so deutlich werden, dass (...) die Leute begreifen, dass auf einer politischen, auf einer Regierungsebene etwas getan werden muss."

Die American Psychological Association hat zwar eben erst in einem Sonderheft ihrer Flagschiff-Publikation "American Psychologist" auf die Gefahren und möglichen Irrwege rassebezogener Forschung hingewiesen. Dennoch wurde das Manuskript von Jensen und Rushton angenommen und passierte auch ein Peer-Review-Verfahren, in dessen Verlauf vier unabhängige Gutachter den Artikel beurteilten.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE begründete die Herausgeberin von "Psychology, Public Policy, and Law", Jane Goodman-Delahunty, ihre Entscheidung so: "Die Publikation in einer wissenschaftlichen Zeitschrift stellt ein Forum für genaue Überprüfung und Diskussion der verwendeten Methoden und der produzierten Daten her."

Der Intelligenzforscher Robert Sternberg sieht das anders. Im letzten Absatz seines Kommentars schreibt er: "Die Qualität von Wissenschaft wird nicht nur durch die Qualität von Problemlösungen bestimmt, sondern auch durch den Geschmack bei der Auswahl der zu lösenden Probleme."

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