Irgendwie wirken sie bedrohlich, die mit Hightech aufgerüsteten Tiere des James Auger. Der Designer und vormalige MIT-Forscher will die weit verbreiteten Technikspielzeuge nicht dem Menschen allein überlassen. Nach seiner Vorstellung könnten eines Tages auch Tiere zu echten Technik-Freaks mutieren - entsprechende menschliche Unterstützung vorausgesetzt.
In seinem Buch "Augmented Animals" erzählt Auger von den kleinen Evolutionsdefiziten bei Vögeln, Reptilien und Fischen, und davon, wie sie mit moderner Technik behoben werden könnten. In einer Fotomontage verpasst der Designer einer Maus ein Miniaturnachtsichtgerät, die sie ein bisschen aussehen lässt wie ein Hightech-Soldat im Einsatz. Die in Amerika heimischen Erdhörnchen sollen dank GPS ihre Vorratslager mit Nüssen schneller wieder finden. Und Fische profitieren von den Segnungen eines Metalldetektors: Steckt in einem Leckerbissen ein Haken, dann schlägt der Detektor Alarm - der Angler geht leer aus.
Augers Ideen erscheinen eher als Kunstprojekt denn als realisierbare Visionen. Doch der Designer meint es durchaus Ernst. Er stehe voll und ganz hinter den Ideen, sagte er dem Magazin "Wired". Wenn nur jeder Hundertste über die philosophischen Aspekte seines Konzepts nachdenke, betrachte er es schon als Erfolg.
Einen Hundedolmetscher will er noch in diesem Jahr vorstellen. Dieser besteht aus einem kleinen elektronischen Gerät, das am Schwanz befestigt wird. Ja nachdem, wie der Hund damit wedelt, projiziert eine Leuchtdiode bestimmte Textbotschaften. Etwa: "Ich habe dich vermisst" - Herrchen wird's freuen.
Die Hightech-Toys sind in erster Linie für zahme, in menschlicher Gefangenschaft lebende Tiere gedacht. Sie könnten, so Auger, deren mitunter unangenehmes Leben sogar verbessern. So soll ein kleiner Windkanal Käfigvögeln die Illusion von Langsteckenflügen verschaffen. Und Gasmasken könnten sensiblen Hundenasen extreme Gerüche ersparen.
Die Philosophie hinter seinen bizarren Kreationen erklärt Auger auf seiner Webseite, auf der auch noch andere Bilder von "Augmented Animals" zu finden sind: "Unglücklicherweise bewegt sich die Evolution langsam, und Teil der Nahrungskette zu werden ist eine allgegenwärtige Sorge. Mit Hilfe von Technologie können evolutionäre Mängel vielleicht ausgeglichen werden."
An Ideen für Hightech-Tierimplantate mangelt es nicht. So begrüßt David Pearce, Mitherausgeber des "Journal of Evolution and Technology", solche ausdrücklich. Ein Chip im Belohnungszentrum des Gehirns soll in großen Ställen lebende Tiere über ihr trauriges Dasein hinwegtäuschen. "Fabrikmäßig gehaltene Tiere könnten ein Leben voller Glück führen", meint Pearce. Das sei zwar unnatürlich, aber dies gelte auch für die Massentierhaltung.
Derartige Ideen stoßen jedoch auch auf Kritik. Mancher hält die Visionen von Auger und Pearce schlicht für unethisch. Dabei gibt es sogar Forscher, die noch deutlich weiter gehen: Sie wollen Chimären erzeugen, Mischwesen aus Mensch und Tier. So haben Forscher beispielsweise bereits menschliche Zellen in Gehirne von Affen oder Nagern gespritzt, um Therapien etwa gegen Alzheimer zu testen. In den USA streiten Wissenschaftler und Ethiker derzeit darüber, wie weit der Mensch in diesem Bereich gehen darf.
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