Eine besonders giftige Variante von Arsen, die gemeinhin Rattengift genannt wird, entdeckte man jetzt in den Resten von Napoleons Schopf. Mit dieser Mitteilung gab die Internationale Napoleon-Gesellschaft dem Historikerstreit um den Tod des einstigen französischen Kaisers neue Nahrung. Analysiert wurde das Gift von Pascal Kintz, der auch Präsident der Internationalen Vereinigung von Gerichts-Toxikologen ist. Er hatte bereits 2001 auf eine anormal hohe Konzentration von Arsen in den Haaren des am 5. Mai 1821 im Exil auf der Insel St. Helena verstorbenen Napoleon hingewiesen. Die Napoleon-Gesellschaft vertritt schon seit einiger Zeit vehement die Mord-These.
Nach Angaben ihres Präsidenten Jean-Claude Damamme wurde bei den neuen Untersuchungen erstmals Arsen im Inneren der Haare entdeckt und nicht nur auf deren Oberfläche. Dies bedeute, dass das Gift durch das Blut befördert und somit mit der Nahrung aufgenommen worden sei. Für Damamme bestärkt dieses Ergebnis die These eines Mordes. "Wenn man jemandem ein so starkes Gift verabreicht, dann nicht, um sein Leben zu verlängern." Vor einigen Jahren waren Arsenspuren Haar damit erklärt worden, dass das Gift im 19. Jahrhundert auch zur Konservierung des Haars von Leichen eingesetzt wurde.
Erst Anfang Mai hatten Wissenschaftler aus der Schweiz der Mord-These widersprochen und die Ansicht vertreten, Napoleon sei an Magenkrebs gestorben. Sie verwiesen auf neun Hosen des französischen Ex-Kaisers aus seinen letzten Lebensjahren, die auf einen ungewöhnlich starken Gewichtsverlust hinwiesen. Demnach nahm Napoleon in den fünf Monaten vor seinem Tod ganze elf Kilogramm ab - den Forschern zufolge ein eindeutiger Hinweis auf ein Magengeschwür.
Die Arsen-Spuren in den Haaren des Toten führten die Schweizer Forscher auf die damalige Tradition der Winzer zurück, ihre Weinfässer mit dem Gift zu reinigen. Dem widersprach Damamme: Die Winzer hätten zum Reinigen der Fässer mit Sicherheit nicht die Rattengift-Variante von Arsen verwendet, im übrigen habe Napoleon täglich nur ein Glas Wein getrunken. Beendet ist die Kontroverse wohl auch durch die neue Analyse nicht.
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