• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Strahlende Energiequelle US-Regierung will wieder Plutonium herstellen

Die US-Regierung plant einem Zeitungsbericht zufolge, erstmals seit dem Kalten Krieg wieder Plutonium-238 herzustellen. Das hochradioaktive Material diente bisher vor allem als Energiequelle für kleinformatige Hightech-Spionagegeräte.

Raumsonde "Cassini" (Zeichnung): Plutonium an Bord
JPL/NASA/ddp

Raumsonde "Cassini" (Zeichnung): Plutonium an Bord

Washington - Für die einen ist es ein extrem wertvolles und praktisches Material, für andere schlicht Teufelszeug: Plutonium-238 setzt Hunderte Male mehr radioaktive Strahlung frei als das in Kernwaffen eingesetzte Plutonium-239. Durch seine bloße Zerfallswärme ist es unter Technikern als langlebiger Energiespender beliebt, doch schon das Einatmen kleinster Partikel genügt, um an Lungenkrebs zu erkranken.

Die US-Regierung will jetzt erstmals seit den achtziger Jahren wieder selbst Plutonium-238 herstellen. Wie die "Washington Post" unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtet, sollen ab 2012 über 30 Jahre knapp 140 Kilogramm des hochradioaktiven Materials produziert werden, um die schwindenden nationalen Vorräte wieder aufzufüllen. Das Programm soll rund 1,5 Milliarden Dollar (1,23 Milliarden Euro) kosten und würde mehr als 50.000 Behälter mit strahlendem Müll hinterlassen.

Über den Verwendungszweck des Plutoniums kann derzeit nur spekuliert werden. Den beteiligten Wissenschaftlern zufolge ist praktisch die gesamte Menge für geheime Einsätze vorgesehen. "Der eigentliche Grund für den Beginn der Produktion ist die nationale Sicherheit", sagte Timothy Frazier vom US-Energieministerium der "Washington Post".

Radioisotopen-Thermalgenerator von "Cassini": Zerfallswärme treibt Raumsonde an
DPA

Radioisotopen-Thermalgenerator von "Cassini": Zerfallswärme treibt Raumsonde an

Plutonium-238 spielt für Nuklearwaffen kaum eine Rolle, sondern wurde in der Vergangenheit vor allem als kompakte Energiequelle eingesetzt - wie etwa an Bord der Raumsonde "Cassini", die derzeit den Saturn erforscht. Die Zerfallswärme des radioaktiven Materials wird von Generatoren an Bord von "Cassini" in elektrische Energie umgewandelt. Der Start der Sonde, die knapp 33 Kilogramm Plutonium an Bord hat, wurde 1997 von lautstarken Protesten begleitet.

Die US-Regierung dürfte aber vor allem militärische Verwendungen für das Plutonium-238 im Sinn haben. Das Material werde wahrscheinlich für Spionagetechnik zu Lande, unter Wasser und im All eingesetzt, sagten unabhängige Experten der "Washington Post". Ein vorstellbarer Einsatzort seien kompakte Spionagesatelliten, die von konkurrierenden Mächten kaum zu entdecken wären.

Die technischen Daten von Plutonium-238 sind für Schlapphüte verlockend: Das Material gibt 450 Watt Wärmeleistung pro Kilogramm ab, und das über Jahrzehnte. So wurde der strahlende Stoff schon früher zur Spionage eingesetzt, allerdings nicht immer mit positivem Ausgang.

1964 etwa verglühte ein US-Satellit mit einem Kilo Plutonium-238 in der Atmosphäre und verteilte das radioaktive Material über den gesamten Globus. 1965 verloren Geheimdienstler ein mit Plutonium versorgtes Spionagegerät, das China bespitzeln sollte, im Himalaja. 1978 stürzte ein US-Wettersatellit in den Pazifik, die Plutonium-Batterie wurde aber intakt geborgen.

Die US-Regierung will das neue Plutonium-238 im Idaho National Laboratory herstellen lassen. Der Wiedereinstieg in die Produktion steht auch im Zusammenhang mit der Konzentration aller solcher Aktivitäten im Idaho National Laboratory. So sollen Kapazitäten aus den Laboratorien in Los Alamos, New Mexiko und Oak Ridge nach Idaho verlagert werden. Nach Angaben der US-Regierung stehen Sicherheitsbedenken im Vordergrund.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP