Schwer depressive Menschen leiden Höllenqualen. Gelähmt von Verzweiflung und getrieben von Selbstmordgedanken sind sie zu einem normalen Alltag nicht mehr fähig. In besonders schweren, akuten Fällen wird, weil Medikamente nur sehr langsam wirken und Psychotherapie dann keine Chance mehr hat, als letzte Hoffnung die Elektrokrampftherapie (EKT) eingesetzt. Etwa fünf Prozent aller Patienten versinken so tief in der Schwermut, dass sie auf andere Verfahren nicht mehr ansprechen.
Das Konzept klingt für viele grauenhaft: Mit Elektroschocks soll das Gehirn dazu gebracht werden, zum alten Gleichgewicht der Neurotransmitter zurückzufinden, durch eine Art künstlich herbeigeführten epileptischen Anfall. EKT ist allerdings nicht so schrecklich, wie sich das zunächst anhört: Die Patienten sind üblicherweise mit Medikamenten ruhig gestellt und bekommen von der Behandlung nichts mit - wohl aber von den erleichternden Effekten im Anschluss daran. Die Schocks haben jedoch Nebenwirkungen: Noch Wochen später kann beispielsweise das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt sein.
Schmerzlos und wirksam, bei vollem Bewusstsein
"Bei Schwerstdepressiven ist die Elektrokrampf-Therapie heute immer noch eine wichtige Behandlungsoption", sagt Wolfgang Maier von der Bonner Psychiatrischen Klinik. Ein Team von der Klinik ist jetzt überzeugt, den Nachweis einer schonenden Alternative erbracht zu haben. Bei der "transkraniellen Magnetstimulation" (TMS) platzieren die Ärzte eine Magnetspule an der Stirn des Patienten. Diese erzeugt für einige Minuten ein starkes pulsierendes Magnetfeld, das im Gehirn einen Stromfluss hervorruft. Dieser ist jedoch so gering, dass er keinen epileptischen Anfall auslöst. Der Kranke erlebt die schmerzlose Behandlung bei vollem Bewusstsein. Im "British Journal of Psychiatry" berichten die Wissenschaftler jetzt über Erfolge bei der Behandlung schwerer Depressionen mit TMS (Bd. 186, S. 410).
Insgesamt 30 schwer depressive Patienten wurden entweder mit Elektrokrampf-Therapie oder Magnetstimulation behandelt. Beide Methoden wirkten etwa gleich gut: Jeder zweite Kranke verspürte eine Woche nach der Behandlungsserie eine deutliche Stimmungsaufhellung. "Zwar erfolgte die Einteilung der Gruppen nicht nach dem Zufallsprinzip, was die Aussagekraft begrenzt", sagt Studienleiter Michael Wagner. "Auch ist die Teilnehmerzahl zu gering, als dass wir abschließende Aussagen zur Wirksamkeit treffen könnten." Doch auch andere Studien sprechen für die stimmungsverbessernde Wirkung der Magnetstimulation.
Vor allem zeigte die Studie aber: Die Patienten, die mit TMS behandelt worden waren, schnitten nachher in verschiedenen Gedächtnistests ebenso gut oder gar besser ab als vor der Therapie. Bei den Teilnehmern der EKT-Gruppe verschlechterte sich das Erinnerungsvermögen dagegen. Dauerhaft helfen allerdings weder EKT noch TMS gegen Depressionen: Die Patienten müssen anschließend immer noch mit anderen Methoden weiterbehandelt werden.
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