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20.09.2005
 

Männer und Frauen

Geschlechter ähneln sich verdächtig

Die viel beschworenen Unterschiede zwischen Männern und Frauen existieren gar nicht, glaubt man einer neuen Studien-Analyse. Nur im Sexualverhalten sowie bei körperlicher Kraft und Aggression gibt es nennenswerte Differenzen.

Streitendes Ehepaar: Im Wesen sehr ähnlich
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DDP

Streitendes Ehepaar: Im Wesen sehr ähnlich

Mit Klischees kann man gut Geld verdienen. Etwa indem man Bücher schreibt, warum Männer nie zuhören und Frauen schlecht einparken können. Das amerikanische Ehepaar Allan und Barabara Pease landete mit derartiger, leicht verdaulicher Küchenpsychologie Bestseller.

Dass Männer vom Mars und Frauen von der Venus kommen, mithin also nicht zusammenpassen, thematisieren auch die übrigen Medien gerne. Zu Unrecht, wie Janet Shibley Hyde meint, Psychologin von der University of Wisconsin. Sie hält die Geschlechterunterschiede für völlig überschätzt. Hyde führte gewissermaßen eine Meta-Meta-Studie durch, als sie die Ergebnisse von 46 Meta-Studien aus den vergangenen 20 Jahren analysierte. Dabei fand sie kaum Differenzen zwischen Männern und Frauen, egal ob es um die Persönlichkeit, Kommunikationsverhalten, Gedächtnisfähigkeit oder Führungsstil ging.

Starke Unterschiede bestehen laut Hyde nur bei den motorischen Fähigkeiten - etwa dem Weitwurf, bei der Häufigkeit des Masturbierens, beim sexuellen Verhalten in Kurzzeitbeziehungen und beim Auftreten körperlicher Aggression.

Geschlechtsunterschiede hingen zudem davon ab, in welchem Umfeld sie gemessen worden seien, schreibt Hyde im Fachblatt "American Psychologist" (Vol. 60 Nr. 6, S. 581). Sobald Testpersonen gesagt werde, dass ihr Geschlecht nicht erfasst wird, wichen sie von dem üblichen, stereotypen Rollenverhalten ab.

Die weit verbreitete Meinung, dass Jungen im Fach Mathematik begabter als Mädchen seien, stimme nicht. Bis zur High-School gebe es keine Leistungsunterschiede, erst danach hätten Jungen einen kleinen Vorsprung.

Hyde hält die angeblich großen Geschlechterunterschiede für ein Phänomen der Massenmedien, das Männer wie Frauen in Beruf und Partnerschaft beeinflusst. Die behaupteten Differenzen seien wissenschaftlich nicht begründet, sagte sie, schadeten jedoch Männern und Frauen in vielen Lebensbelangen. "Die These kann die Möglichkeiten von Frauen im Beruf einschränken", erklärte Hyde, und sie könne Paare davon abhalten, ihre Konflikte zu lösen, weil sie glaubten, diese seien naturgegeben.

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