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11.10.2005
 

Vogelgrippe-Fälle in der Türkei

Die Besorgnis wächst weltweit

Vogelgrippe-Fälle in der Türkei und Verdachtsfälle in Rumänien sorgen die Fachleute. In Deutschland werden Kontrollen verschärft, morgen tagt ein Krisenstab zum ersten Mal. Aus Frankreich kommen Forderungen nach europäischer Koordination. Wie groß die Gefahr wirklich ist, wird sich Ende der Woche klären.

Ein britisches Labor will bis Ende dieser Woche feststellen, ob die Vogelgrippe-Fälle in der Türkei von einem auch für den Menschen gefährlichen Viren-Stamm ausgelöst wurden. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in London werden die Proben aus der Türkei am morgen Mittwoch in einem Veterinärlabor in Weybridge bei London erwartet. Die Ergebnisse der Analysen würden dann binnen 48 Stunden bekannt gegeben. In der Türkei starben vergangene Woche den Behörden zufolge fast 2000 Truthähne auf einer Geflügelfarm im Nordwesten des Landes an Vogelgrippe. Die Europäische Kommission in Brüssel verhängte am Montag einen Importstopp für lebende Vögel und Federn aus dem EU-Anwärterstaat.

Geflügel-Keulung in Rumänien: Wachsende Besorgnis
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DPA

Geflügel-Keulung in Rumänien: Wachsende Besorgnis

Inzwischen hat die türkische Regierung die Massenschlachtung von Vögeln im nordwesttürkischen Kiziksa für beendet erklärt. Insgesamt seien 2500 Truthähne von Geflügelfarmen und auch alle privat gehaltenen Hühner aus dem Gebiet getötet worden, teilte das Ministerium nach einer Meldung des Fernsehsenders CNN-Türk mit. Es sei kein neuer Fall von Vogelgrippe aufgetaucht. Nun werden den Angaben zufolge rund 550.000 Vögel in einem Umkreis von sieben Kilometern um Kiziksa näher untersucht. Die Behörden nehmen an, dass die Vogelgrippe von Zugvögeln in die Türkei gebracht wurde.

Morgen tritt der Krisenstab zusammen

Landwirtschaftsminister Mehdi Eker kritisierte unterdessen, in den Berichten über das Auftauchen der Vogelgrippe in der Türkei sei "stark übertrieben" worden.

Die Bundesregierung hat für den morgigen Mittwoch einen Krisenstab einberufen, der sich unter anderem von Tierseuchen-Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts beraten lassen soll. Sollte sich herausstellen, dass das in der Türkei erkrankte Geflügel tatsächlich mit dem auch für den Menschen gefährlichen Virus H5N1 infiziert sei, "werden unsere Notfallpläne sofort greifen", betonte Umweltminister Jürgen Trittin, der kommissarisch auch das Verbraucherschutzministerium leitet. Das Ministerium hat beispielsweise eine Eilverordnung parat, nach der alle frei laufenden Hühner in Deutschland eingesperrt werden müssten.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit fordert inzwischen verstärkte Kontrollen von Reisenden. In der heute veröffentlichten Risikobewertung für den Krisenstab von Bund und Ländern kommt das Institut zu dem Schluss, dass "Maßnahmen zum Unterbinden illegaler Importe dringend erforderlich sind". Die Autoren der Studie fordern, das Gepäck von Einreisenden aus der Türkei und Rumänien verstärkt zu kontrollieren, um die Einfuhr von möglicherweise infizierten Hühnern, Ziervögeln, Trophäen und Federn zu unterbinden.

Zusätzlich dazu müsse es eine umfassende Kontrolle des Güterverkehrs im Handel geben. Auch fordert das Institut, das dem Verbraucherschutzministerium untersteht, ein verstärktes Informationsangebot an allen Grenzübergangsstellen. Nach der Studie sind illegale Importe das größte Risiko für dir Verbreitung der Vogelgrippe. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus über Zugvögel nach Deutschland komme, sei dagegen momentan gering.

In Südost-Rumänien wurde derweil die vorsorgliche Keulung von Geflügel fortgesetzt. Nach Protesten der Dorfbewohner waren am Montag die Massentötungen vorübergehend eingestellt worden. Die Einheimischen stimmten weiteren Notschlachtungen erst zu, als die Regierung in Bukarest ihnen Entschädigungen in Höhe von etwa 2 Euro je Kilo Lebendgewicht fest zugesagt hatte. Die Testergebnisse über die Viren, die drei Enten töteten, wurden für Mittwoch erwartet.

Auch die Uno warnt vor einer Pandemie

Unterdessen starb in Indonesien ein weiterer Mensch, der sich vermutlich mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert hatte. Dort sind nach Behördenangaben bislang drei Menschen am Virustyp H5N1 gestorben.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno (FAO) warnte erneut, eine globale Vogelgrippe-Epidemie sei nur eine Frage der Zeit. Diese könne "extrem ernst" oder auch leicht sein: "Ich weiß nicht, wann sie stattfinden wird, ich weiß nicht, wo sie stattfinden wird, aber ich weiß, dass es passieren wird", sagte FAO-Experte David Nabarro in Rom. Das derzeit in Asien grassierende extrem ansteckende Vogelgrippe-Virus werde bislang nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Da Mutationen bei Grippeviren jedoch sehr häufig seien, werde sich das Virus früher oder später so verändern, dass es auch unter Menschen übertragbar sei. "Wir müssen Wege finden, einen Impfstoff in weniger als den derzeit notwendigen sechs Monaten zu entwickeln. Das ist von hoher Dringlichkeit", sagte Nabarro.

"Reaktion abstimmen"

Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy forderte eine stärkere Koordination der EU-weiten Maßnahmen. Dem französischen Fernsehsender France-2 sagte Douste-Blazy heute, er hoffe auf ein baldiges Treffen der Gesundheits- und Außenminister der Mitgliedstaaten, "so dass wir unsere Reaktion abstimmen können".

Nach Ansicht des deutschen Bauernverbandspräsidenten Gerd Sonnleitner stellt neben der Übertragung durch Zugvögel auch der internationale Handel mit Geflügel eine Gefahrenquelle dar. Deshalb sollten die Schutzmaßnahmen an deutschen Flughäfen und Grenzstationen verstärkt werden, forderte Sonnleitner. Auch Reisende müssten noch stärker als bisher auf die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert werden. Sollte das Geflügel in der Türkei und in Rumänien wirklich mit dem H5N1-Virus infiziert sein, fordern die Landwirte eine umfassende Stallpflicht für Geflügel hierzulande.

In Bayern werden die Kontrollen bereits verschärft: Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf sagte heute in München, neben Geflügelfleisch dürften ab sofort auch keine lebenden Vögel und keine unbehandelten Federn aus der Türkei mehr importiert werden. Um einen eingeschleppten Virus schneller zu entdecken, sollen Jäger bis Januar 4.000 Schleimhaut-Proben von erlegten Wildvögeln abliefern.

Ab nächster Woche würden in 900 bayerischen Freiland-Betrieben Blutproben von Vögeln genommen. Wenn an Zugvögel-Rastplätzen erhöhte Todesraten zu beobachten wären, würden die verendeten Tiere virologisch untersucht. Auch in Berlin werden alle größeren Geflügelbestände vorsorglich untersucht.

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