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24.10.2005
 

Nachgebaute Waffe

Archimedes' Todesstrahl lässt Schiffe glühen

Die Strahlenkanone des Archimedes gehört zu den Mythen der Antike. Einst soll damit eine ganze römische Flotte in Flammen gesetzt worden sein. US-Forscher haben die Wunderwaffe aus alter Zeit jetzt nachgebaut.

Archimedes war nicht nur ein genialer Mathematiker, sondern auch ein begnadeter Techniker. Als römische Truppen vor 2200 Jahren seine Heimatstadt Syrakus belagerten, entwickelte er diverse Kampfmaschinen, die den Römern Angst und Schrecken eingejagt haben sollen - beispielsweise Wurfmaschinen und Greifarme, die feindliche Boote packten und in Stücke rissen.

Die spektakulärste von Archimedes ersonnene Waffe war jedoch eine Strahlenkanone. Spiegel aus Bronze oder Glas sollen das Licht der Sonne konzentriert und auf die Schiffe der römischen Flotte gerichtet haben. Diese gingen, so die Überlieferung, reihenweise in Flammen auf.

Forscher des Massachusetts Institute of Technology und der University of Arizona sind diesem Mythos der Antike jetzt auf den Grund gegangen. Sie konstruierten zwei verschiedene Spiegel und versuchten damit ein 80 Jahre altes Fischerboot in Brand zu setzen.

Das Experiment misslang jedoch. Der rund 30 Quadratmeter große Spiegel der MIT-Wissenschaftler brachte das Holz der Schiffs aus 50 Meter Entfernung nur zum Glimmen. Erst als die Distanz auf knapp 25 Meter verringert wurde, entstand eine kleine Flamme, die jedoch schnell von allein wieder erlosch.

Der Spiegel, den die Wissenschaftler vom Arizona Lunar and Planetary Laboratory konstruierten, erzeugte weder Feuer noch Rauch. Die Wissenschaftler hatten die Spiegel wie die Blätter einer Blüte angeordnet.

MIT-Professor David Wallace sagte, das Experiment habe gezeigt, dass die Strahlenkanone technisch möglich sei. Die Frage aber, ob Archimedes damit römische Schiffe zerstört habe, sei nicht geklärt worden. "Wer kann sagen, ob Archimedes es getan hat oder nicht?" Man könne lediglich sagen, dass es sich um eine extrem unpraktische Kriegswaffe gehandelt habe.

Peter Rees vom TV-Kanal Discovery Channel sagte, der Todesstrahl des Archimedes sei sehr wahrscheinlich ein Mythos der Antike. Der Fernsehsender hatte die Experimente mit der Spiegelwaffe als Sponsor unterstützt. Rees zeigte sich gleichwohl beeindruckt von den prinzipiellen Möglichkeiten einer Strahlenkanone: "Wenn diese Waffe funktioniert hätte, wäre sie in der antiken Welt das Äquivalent zur Atombombe gewesen."

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