Nach dem Grab von Nikolaus Kopernikus fahnden Archäologen schon seit mehreren Jahren. Der große Astronom, der das heliozentrische Weltbild entwickelte, war in der Kathedrale der nordpolnischen Stadt Frombork (Frauenburg) begraben worden.
Aus zeitgenössischen Schilderungen war die ungefähre Lage des Grabes bekannt. Weil die Kirche während der Schwedenkriege jedoch schwer verwüstet wurde, fürchteten Archäologen, dass sie die sterblichen Reste nicht mehr finden könnten.
Doch offenbar war die Suche erfolgreich. Die im Sommer in der Kathedrale entdeckten menschlichen Überreste könnten tatsächlich von Kopernikus stammen. Die Untersuchungen der Knochen und des Schädels im Zentralen Kriminallabor hätten diese Vermutung bestätigt, sagte der Anthropologe Konrad Piasecki heute im polnischen Rundfunk.
Die Polizeiexperten hätten auch das Gesicht des im Altarraum bestatteten Toten rekonstruiert. Dieses Gesicht stimme mit den Porträts von Kopernikus, der von 1473 bis 1543 lebte, überein. Eine hundertprozentige Sicherheit mit Hilfe einer DNA-Analyse wird es aber nicht geben - als Geistlicher hatte Kopernikus keine Kinder.
Kopernikus hatte in seinem 1543 erschienenen Werk "Von den Bewegungen der Himmelskörper" beschrieben, dass die Planeten um die Sonne kreisen. Im Unterschied zu Galileo Galilei bekam er jedoch keinen Ärger mit der Inquisition. Galilei entwickelte das kopernikanische Weltbild weiter, weshalb ihm 1633 der Prozess gemacht wurde. Er widerrief schließlich seine Lehren und entging so der Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen.
Die Methode der Gesichtsrekonstruktion, der sich die polnischen Forscher bedienten, wurde von Gerichtsmedizinern entwickelt, um verweste Leichen identifizieren zu können. Vor einem Jahr hatte eine französische Künstlerin den Kopf eines Seeräubers modelliert, der zwischen 1390 und 1450 in Hamburg hingerichtet worden war. Es könnte sich dabei um die Piratenlegende Klaus Störtebeker gehandelt haben.
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