Seit die chinesische Volksarmee 1949 in Tibet einmarschierte, gibt es immer wieder Berichte von Übergriffen gegen die Bevölkerung des zentralasiatischen Landes. Doch präzise Informationen über Menschenrechtsverletzungen sind wegen der Zensur durch die chinesischen Behörden Mangelware. Forscher aus Kanada und den USA haben nun mehrere Studien über den Gesundheitszustand tibetanischer Flüchtlinge ausgewertet.
Die Ergebnisse seien erschreckend, berichtet das Team um Edward Mills von der kanadischen McMaster University im Fachblatt "BMC International Health and Human Rights". Die Anzeichen für Folter und psychische Krankheiten seien wesentlich häufiger zu beobachten als bisher vermutet, heißt es in dem Artikel.
Das Team um Mills habe bereits früher die Berichte von Menschen studiert, die in den vergangenen Jahren aus Tibet geflohen waren, und eine hohe Zahl an Berichten über Kindesmisshandlungen, Folter, Vergewaltigungen und Hinrichtungen gefunden. Für ihre aktuelle Untersuchung haben die Wissenschaftler nach eigenen Angaben alle veröffentlichten Berichte über psychische Störungen unter tibetanischen Flüchtlingen ausgewertet. Die Studien bezogen sich auf insgesamt 410 Menschen.
Mills und seine Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass 23 Prozent aller Flüchtlinge unter der sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung litten. Zu den Symptomen gehören Alpträume, Angstzustände, Teilnahmslosigkeit und das Wiedererleben traumatischer Erlebnisse. 57 Prozent der Flüchtlinge litten dem Bericht zufolge unter schweren Depressionen.
Die Wissenschaftler fanden zudem eine "inakzeptabel hohe" Zahl von Berichten über Folter und andere Menschenrechtsverletzungen. Zu den Methoden gehörten Schläge, Stromstöße und erzwungene Blutabnahmen. Zudem hätten viele Flüchtlinge Ermordungen und Verschleppungen von Freunden und Angehörigen beobachten müssen.
"Die Untersuchung liefert verlässliche Hinweise darauf, dass Menschenrechtsverletzungen in Tibet inakzeptabel oft vorkommen", so die Forscher. Sie riefen die Regierungen der USA, Kanada, Großbritanniens und anderer Nationen auf, bei Verhandlungen mit China den Menschenrechten höchste Priorität einzuräumen.
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